‹ Zur Homepage

Sportsnews

> Boris Eckart


Der EHC München und die grauen Haare

EHC München FankurveWas für ein Spiel! Doch bevor ich darauf eingehen will, erstmal ein paar Worte an die Nordkurve: Was ihr da über 80 Minuten geboten habt, war auf jeden Fall DEL-würdig! Fan-Unterstützung mit Gänsehaut-Garantie! Was sich am Sonntag im Olympia-Eissportzentrum abspielte, kann nur als Thriller bezeichnet werden. Die Spannungselemente: Eine seltsame Schiedsrichterwahl, die beste Fankurve der Welt, bissige Münchner und defensive Bietigheim Steelers hinter einem stählernen Vorhang.

EHC MünchenJetzt aber zum Spiel: Der erste Aufreger bereits vor dem ersten Bully: Als Schiedsrichter Stephan Bauer angekündigt wird, stimmen die knapp 500 mitgereisten Fans der Bietigheim Steelers begeisterte Sprechchöre an. Hintergrund: Stephan Bauer spielte Ende der 90er Jahre für die Steelers. Eine glückliche Schiedsrichteransetzung sieht anders aus. Man stelle sich vor, 1860 spielt gegen die Bayern und als Schiedsrichter läuft Mehmet Scholl auf. Die ersten nervösen Fingernägelknabberer wurden da bereits unter den EHC-Fans ausgemacht. Bis zum Ende des Spiels sollten noch viele weitere dazukommen. Erster Grund: Nach nur vier Minuten gingen die Steelers in Führung. Andrej Kaufmann zog vor dem Tor von Sebastian Elwing ab, traf nicht richtig, der Puck begann zu trudeln und zu flattern und gelangte so unhaltbar hinter die Torlinie des EHC-Keepers. Unglücklicher kann man sich ein Gegentor nicht einfangen. Danach ging auf Seiten des EHC nicht mehr viel. Die Abwehr der Bietigheim Steelers spielte furios, viele Angriffe der Münchner scheiterten bereits an der blauen Linie der Schwaben, die Lokalmatadoren spielten zunehmend verkrampfter und wenig effektiv.

Drittel-Ende. Unter den Fans waren sowohl die Schiedsrichteransetzung als auch das saublöde 1:0 der Gäste Thema. Vor allem ärgerte man sich aber über zwei vergebene Powerplay-Chancen des EHC. Einerseits, weil bei den 5 gegen 4 Situationen schauderhaft wenig gelang, andererseits, weil Schiedsrichter Stephan Bauer somit über allen Verdächtigungen stand. Argwohn gegenüber dem ehemaligen Bietigheimer aber blieb. Zurecht, wie sich meiner Meinung nach noch herausstellen sollte.

EHC MünchenDas zweite Drittel begann und die Münchner zeigten, was sie unter Kampfgeist und Siegeswillen verstanden: Die Angriffe wurden sicherer, immer öfter wurde die Defensive der Bietigheimer geschlagen, der EHC konnte sich öfter im Drittel der Gäste festbeißen, Torchancen folgten. Noch aber hielt das Abwehrbollwerk der Gäste. Es war zum Haareraufen. Bietigheim machte zu, München stürmte an. Bis auf einen Pfostenkracher aber blieb das Drittel für das Heimteam leider ergebnislos. Noch fehlte den Münchnern ein letztes Quentchen Glück, ein letztes Fünkchen Ehrgeiz.

Zu Beginn des dritten Drittels dann die Kampfansage: Das in der Nordkurve gehisste Spruchband brachte es auf den Punkt: “Niemals aufgeben!” Und der EHC München hielt sich daran. Immer flüssiger der Spielaufbau, die ganze Halle spürte, dass die Münchner jetzt einfach mehr Biss hatten, nachgingen, kämpften und, vor allem, ein Mittel gegen die Abwehr der Gäste gefunden hatten. Durch schnelles Passspiel und bessere Aktionen in 1 gegen 1 Situationen kamen einfach mehr zwingende Chancen zustande. Dann, in der 49. Minute, endlich die Erlösung: genialer Querpass von Wycisk auf Wrigley – und der versenkt den Puck unhaltbar für Steelers-Keeper Sinisa Martinovic. Unter dem tobenden Applaus der knapp 4500 München-Fans in der Halle folgten 12 weitere spannende Minuten, die allerdings torlos verliefen.

EHC MünchenIn der nun folgenden Pause vor der Overtime wurde klar, dass auch der letzte Fan in der Arena die Spannung kaum mehr aushielt. Nichtraucher rauchten, besonnene Familienväter fluchten wie die Fuhrkutscher und viele schimpften über Schiedsrichter Bauer. Der hatte, auch in meinen Augen, den Bietigheimern im dritten Drittel doch einige Dinge durchgehen lassen, die eigentlich 2 Minuten verdient hätten. Hätten die furios aufspielenden Münchner diese Powerplays bekommen, das Spiel wäre wohl in der regulären Spielzeit entschieden gewesen.Davon abgesehen war das zweite Finalspiel auffallend fair, trotz der gebotenen Härte, trotz dem, was auf dem Spiel steht.

EHC MünchenEs war wie es war: Weitere 20 Minuten, sudden death, das erste Tor beendet die Partie. München spielte richtig auf, Bietigheim konnte sich die meiste Zeit nur durch Befreiungsschläge vor dem Ansturm des EHC retten. Kamen die Schwaben doch ins Drittel von Pat Cortinas Team, stand die EHC-Abwehr. Vor allem Keeper Sebastian Elwing gab sich keine Blöße. Die Münchner Offensive erspielte Chance um Chance, wobei fast noch der entscheidene Treffer wenige Sekunden vor Ende erzielt worden wäre. Doch es half alles nichts. Penaltyschießen. Hochspannung. Manche alterten im Sekundentakt um Jahre.

EHC München: Torhüter Sebastian ElwingEs war das Penaltyschießen des Sebastian Elwing, seine Revanche für das unglückliche 0:1 im ersten Drittel: Der EHC-Keeper hielt souverän, nur einmal musste er hinter sich greifen. Auf der anderen Seite hingegen kam Steelers-Keeper Sinisa Martinovic öfter in Bedrängnis. David Wrigley traf, Brandon Dietrich überlistete ihn, setzte dann den Puck aber unglücklich an den Pfosten. Nach jeweils 5 Schüssen stand es somit 1:1 im Penaltyschießen, spannender ging es nicht. Erlöst wurden die Fans schließlich von Brandon Dietrich. Der wieder fantastisch zum Deke ansetzte, Martinovic überlistete und diesmal treffsicher den Puck versenkte. Alle Augen ruhten nun auf Keeper Elwing und dem 1:0-Schützen der Steelers, Andrej Kaufmann. Der lief an, holte aus – und scheiterte am grandiosen EHC-Keeper. Revanche geglückt! Was dann folgte war ein Traum in Blau und Weiß: Die Anspannung der Fans und der Spieler entlud sich in grenzenlosem Freudentaumel. Um einige graue Haare reicher verließen die Spieler das Eis und die Fans die Halle.

So endete eines der spannendsten und trotzdem fairsten Eishockeyspiele, die ich je gesehen habe.
Meine Top-3-Spieler: Sebastian Elwing, der teilweise übermenschlich gut hielt. David Wrigley, der nicht nur das 1:1 schoss, sondern auch im Penaltyschießen glänzte. Kevin Lavallee, der verteidigte, als ginge es um Leben und Tod.

Nächstes Heimspiel des EHC München:
24.4., 20 Uhr, Olympia-Eissportzentrum
www.ehc-muenchen.de

1 Kommentar

Kommentar schreiben

  1. Freelancer aus München

    28.04.2009 | 21:30

    München ist super

    Das war ein ultimativ spannendes Spiel…