> Alexander Otto
Taubertal II – Helden wie wir
Mir fällt dauernd der Beginn dieses großartigen Polt-Sketches ein: “Ja, letzes Jahr, gell, haben wir eine Weltreise gemacht. Aber eines sage ich ihnen: Da fahren wir nie wieder hin.” So ein Festival ist keine Weltreise, aber ein ähnlich intensives Erleben inklusive des Gefühls, nie wieder hinfahren zu wollen. Das Taubertal ist in den vergangenen Jahren zu einem der größten Festivals Süddeutschlands angewachsen. Das bringt einerseits eine erhöhte organisatorische Verantwortung mit sich, andererseits ruft es auch die große Masse der Feierwütigen auf den Plan, die permanent versuchen, diesen Strukturen zu entfliehen. Diese Masse scheint von Festival zu Festival zu kriechen, sorgt für Ausverkauft-Schilder und Dixie-Klo-Brände gleichermaßen und ist Teil jener Jugendbewegung, die eigentlich keine sein will. Party till you puke und dann wieder zurück im Golf nach Leutershausen. Das alles ist insofern interessant, als das musikalische Wesen des Taubertal-Festivals weder ein alternatives noch ein mainstreamiges ist. Beide Welten treffen hier aufeinander. Fast wörtlich sogar, denn die Bühnen stehen, wenn auch durch eine Landschaftskurve getrennt, Kopf an Kopf zueinander. Also stoßen In Extremo-Kuttenträger mit Doherty-Hut-Schiefträgern auf Farin Urlaub an und tänzeln besoffen zu Itchy Poopzkid übers Gelände. Festivals sind die kulturellen Schmelztiegel der Gegenwart. Das ist nicht immer schön anzuschauen, riecht mitunter streng und entbehrt jeder Vernunft.
Aber wunderschön ist es. Ich bin nächstes Jahr wieder dabei.




