> Alexander Otto
Taubertal V – Die Entdeckung
Vielleicht kennt ihr das ja: Man steht beim Festival vor einer Band, die man zwar kennt, aber nicht jeden Song mitsingen kann. Das Bier in der Hand ist frisch und kühl. Die Erwartungen sind heruntergeschraubt, das Wetter hält noch. Die Sounds-For-Nature-Bühne füllt sich allmählich mit jungen, typisch britisch gekleideten Musikern. Am Ende des Sets ist das Bier warm. Denn vor lauter Staunen habe ich vergessen zu trinken.
The Maccabees waren bis zu diesem Auftritt am Samstag eine Band, der ich ein gewisses Trittbrettpotenzial unterstellt hatte. Ihren Sond “Lego” vom ersten Album “Colour It In” fand ich charmant, angenehm verspielt und gnadenlos jung. So als ob Hot Club De Paris mit den Wombats und Maximo Park ein wenig gekifft und gejammt hätten. Auf der Bühne präsentiert sich das Quintett aus Brighton um ein vielfaches eigenständiger. Sänger Orlando Weeks gelingt es, die Menge mit seiner eigentümlichen, wie zugedeckt wirkenden Stimme sofort in seinen bann zu ziehen. Seine, positiv formuliert, übermüdeten Bewegungen tun ihr Übriges. Gegen Ende des Sets verrät er, dass er heute seinen 26. Geburtstag feiert und es für ihn ein ganz besonderer Auftritt ist. Das erklärt vielleicht die Anti-Koordination. Verblüffend dabei ist, dass die Band ungeachtet ihrer Partylaune unglaublich präzise und exakt spielt. Das großartige “Precious Time” sorgt mit seinen, mit zweistimmigem Gesang bereicherten Pausen, für den ersten Glanzpunkt. “Love You Better”, die Single des neuen Albums “Wall Of Arms”, beendet die Show so frenetisch wie plötzlich und hinterlässt den dringenden Wunsch, diese Band sofort wieder in einem Club sehen zu wollen. The Maccabees sind cool, gewitzt und zudem so gut an ihren Instrumenten, dass sie sich ganz ihrer Lässigkeit hingeben können. Diese Mischung macht den Unterschied zwischen Trittbrettfahrern und Schrittgebern. Das Bier habe ich dann natürlich trotzdem ausgetrunken. Musste schließlich auf Orlandos Geburtstag anstoßen.




