Allgemein, Nightlife
› Matt
Schon gut, Nightflys hat es kaum getroffen, als vor rund 13 Stunden die VAG-Chauffeure und -Bediensteten eben das niederlegten, was sie zu Bediensteten mach: den Dienst. Aber heute morgen in München hat es mich und rund 30.000 andere Wochenendpendler getroffen, die via Bogenhausen auf die Autobahn wollten. München kollabiert ohne Öffentliche Verkehrsmittel ratzfatz. Wie wichtig die Schaffner, Techniker und ihre Kollegen sind, hat sich da eindrucksvoll gezeigt. In Nürnberg zeigte sich für mich eineinhalb Stunden später, dass ohne grantelnde Busfahrer, aggressiv klingelnde Straßenbahner oder frustrierte U-Bahn-User der morgendliche Weg zur Arbeit ein ganzes Stück angenehmer ist. Doch ich unterstütze den Streik der VAG nicht nur, weil ich morgendlichen Verkehr ohne Behinderung so sehr schätze. Ich übe auch den Schulterschluss mit den mies gelaunten VGN-lern aus aktivem Mitleid heraus. Verständlich ist der Streik nämlich allemal. Vor allem für mich. Schließlich fahre ich selbst nur ungern mit Nürnbergs Öffentlichen und ich finde auch, dass Menschen, die das tagtäglich machen müssen weil es ihr Beruf ist, anständig entschädigt gehören. Mich bringen keine zehn Pferde in die unzuverlässige Nürnberger U-Bahn aber für 6000 Brutto im Monat würde ich es mir überlegen. Viel niedriger sollten die Forderungen der öffentlich Bediensteten auch nicht ansetzen. In München bewahren sie die Stadt vorm Infarkt, in Nürnberg sind sie eher für urbane Anästhesie zuständig. Hoffentlich wird der Streik verlängert und hoffentlich bekommen die Damen und Herren einen satten Tarifvertrag hin, denn den haben ja all die Leute, die tagtäglich auf ihre Dienste angewiesen sind, ja auch. Junglehrer, Volontäre, Studenten, Schüler, Arbeiter, Auszubildende… allesamt überbezahlt und undankbar. Am besten, wir wälzen die Kosten für den neuen Tarifabschluss direkt auf die Fahrgäste ab. Dann spüren die endlich, was schlechter Service wert ist.