> Tim Pommerenke
Viel Heiterkeit beim Quatsch Comedy Club in Hamburg
Der zweite Abend der o2 World on Tour in Hamburg: Der Quatsch Comedy Club öffnete seine Pforten und zahlreiche Besucher erschienen, um sich von den eingeladenen Komikern Ingo Appelt, Johann König, Hennes Bender und Dittmar Bachmann unterhalten zu lassen. Durch den Abend führte der – zum Scherzen aufgelegte – Ole Lehmann. Die Protagonisten zeigten, warum der Quatsch Comedy Club seit so vielen Jahren seine herausragende Stellung in der Comedyszene behaupten kann.
Der Saal wurde für den heutigen Abend mit Stühlen besetzt, ein komplett anderer Anblick als beim Konzert der Fantastischen 4 auf dem letzten Event. Für die hereinströmenden Besucher hieß es, sich schnell die besten Plätze zu sichern, wenn man nicht stehen wollte. Vielen blieb jedoch nichts anderes übrig, doch der guten Laune im Publikum tat dies keinen Abbruch. Die besten Vorraussetzungen für einen heiteren Abned waren also geschaffen.
Während die Sitzplatzsuche im Zelt tobte, traf ich die Künstler in ihrer Garderobe. Johann König war gerade erst angekommen, aber trotzdem gern bereit für ein Interview (Interview in voller Länge). Bei einem Tee plauderte er über seinen Weg in die Unterhaltungsbranche, Vorbilder, die Unterschiede zwischen Fernsehauftritten und eigenen Shows und das Verhältnis des Komikers zum Publikum. Er sprach von den Dingen, die den Quatsch Comedy Club speziell machen und warum jeder Künstler sofort zusagt, wenn Thomas Hermanns anruft.
Im laufenden Gespräch betritt Ingo Appelt die Garderobe. Wer vermutet, Komiker wären Einzelkämpfer, der irrt sich gewaltig. In einer lockeren Runde schwappte das Interview kurzerhand über und Ingo Appelt stellte sich den Fragen (Interview in voller Länge). Bei einem Mann, der so oft für seine kontroverse Art kritisiert wird, wollte ich erfahren, ob seine Programme aus einer hintergründigen Beschäftigung mit den angesprochenen Themen entstehen. Er erzählte aus einem reichen Fundus von gesellschaftspolitischen Anschauungen über die Emanzipation der Frau und das sich dadurch verändernde Männerbild, Imageprobleme durch provokante Bühnenshows und Wege, sich dem gesellschaftlichen Wandel anzupassen, ohne seine Ideale zu verraten. ![]()
Beide Comedians hatten sich in Fahrt geredet und eigentlich noch viel zu erzählen, doch die Show sollte beginnen. Ole Lehmann begrüßte das Hamburger Publikum, das sich nun sortiert hatte und sehnsüchtig auf den Beginn der Show wartete.
Dann schickte er mit Hennes Bender den ersten Entertainer des Abends ins Rennen. Dieser heizte dem Hamburger Pulikum mit seiner quirligen Bühnenshow ein. Nach einer Spongebob Schwammkopf/Steve Urkel-Parodie stieg er ins Publikum hinab und forderte eine Dame aus der ersten Reihe zu “Dreams are my reality” aus dem Film “La Boum 2″ zum Engtanz (ein Wort, das ihm selbst nicht so gut gefällt) auf.
Nach so viel Aufregung wurde es Zeit für etwas mehr Beschaulichkeit. Der richtige Mann für diesen Job: Johann König. Im Mittelpunkt seines heutigen Auftritts stand der Verfall der deutschen Sprache, illustriert durch eine bunte Geschichte aus dem täglichen Leben einer Musterfamilie. Großartig, Hamburg kriegt sich nicht mehr ein.
Ole Lehmann war an der Reihe, der an diesem Abend mit einem gewagten Louis de Funès/Adolf Hitler Mash-Up und einer “Let me entertain you”-Gesangseinlage ziemlich überzeugen konnte. Dann spielte er den Ball direkt zu Dittmar Bachmann weiter, der diverse Stories aus seiner Zeit als DJ und passend dazu einige Gesangsmedleys auf die Bühne brachte. Wem bisher die musikalische Note zu kurz kam, der wurde hier zu Genüge bedient.
Es wurde Zeit für einen der ganz großen der deutschen Comedy: Ingo Appelt. Ausgehend vom ewigen Positionskampf von Mann und Frau wagte Appelt seinen sprachlich gewohnt lockeren Rundumschlag in alle Bereiche der Gesellschaft. Auch seine eigene Zunft (die Komiker) kamen unter Beschuss. Selbst, wer mit Appelts Programm nicht viel anfangen kann, konnte sich an diesem Abend ein Lachen nicht verkneifen. Es war einfach zu gut, was der Mann, der sich seit Neuestem als Frauenversteher gibt, auf der Bühne ablieferte.
Der Quatsch Comedy Club bei der o2 World on Tour entpuppte sich als voller Erfolg. Unterhaltsame Moderation, hervorragend aufgelegte Komiker: Das Hamburger Publikum war begeistert. Auch von der Tatsache, dass sich die einzelnen Beteiligten viel Zeit für ihre Show nahmen.