> Jutta Ditfurth
»Große Koalition und ‚nationale Anstrengung’«
Beim so genannten TV-»Duell« (ARD/ZDF/RTL/SAT1, 13.9.2009) saßen 500 JournalistInnen Ellenbogen an Ellenbogen in einer großen Halle, starrten auf die Riesenleinwand mit Merkel und Steinmeier, dann auf ihre Laptops, flüsterten miteinander wie bei einem unbeaufsichtigten Examen. Eine Meinungsvervielfältigungsfabrik. 500 JournalistInnen – 500 Meinungen? Wenigstens 20 unterschiedliche? Bitte, wenigstens sieben?
Der Fliegenschiss einer banalen Diskussion wurde zu Mount Everest-Größe aufgebläht. JournalistInnen interviewten JournalistInnen, die vorher die Spin-Doctors der Parteien befragt hatten. TV-Kameras jagten dem »Volk« Statements ab, sie bedrängten sogar die Patientinnen einer gynäkologischen Krankenhausstation (ZDF). Aber die ZuschauerInnen waren unsicher und schielten auf die KommentatorInnen, die vorher … Eine endlose Reihe von sich ineinander spiegelnden Spiegelbildern, eine Herrschende-Meinung-Verwertungskette.
Dabei ist längst klar: Nach der Bundestagwahl gibt es wieder eine große Koalition aus CDU und SPD. Warum?CDU/CSU/SPD/FDP/Grüne sind letztendlich ein Block bürgerlicher, staatstragender, prokapitalistischer Parteien. Gemobbt wird noch die Linkspartei (was beinahe das Reizvollste an ihr ist), die aber sehnsüchtig auf die Vollendung ihrer »Integration« wartet. Der herrschende Parteienblock wechselt sich bei Wahlen ab.
Ähnlich wie in den USA wird in Zeiten größter Krisen und unsozialster Pläne das freundlichere, fortschrittlichere Gesicht des bürgerlichen Parteienblocks gebraucht. So kam es zur SPD/Grünen-Regierung 1998 – ein Krieg war zu führen (gegen Jugoslawien), Reiche zufriedenzustellen (Steuerreform), neue Massenarmut zu schaffen (Agenda 2010 und Hartz IV). Wer hätte das grün-alternative Klientel und die Gewerkschaftsführungen besser in den Krieg führen, einbinden, spalten und befrieden können als SPD und Grüne? CDU und FDP sicher nicht.
Zwei Jahre vor Beginn der Weltwirtschaftskrise (2006) sagte der reichste Mann der Welt, Warren E. Buffett, zur New York Times: »Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.« Er meinte damit den kapitalistischen Normalzustand vor der Krise.
Der Krieg geht weiter. Nicht nur in Afghanistan. Bald nach der Bundestagswahl wird es Massenentlassungen geben. Die Kurzarbeit wurde finanziert, damit das nicht vor den Wahlen geschieht. Die Weltwirtschaftskrise wird denjenigen Fraktionen des Kapitals irrwitzige Vorteile und Extraprofite bringen, welche die Krise überleben. Sie können Konkurrenten fressen, unser aller Reichtum als billige Beute einfahren und eingeschüchterten Menschen noch mehr Lohn und Rechte rauben – solange die sich nicht wehren. Käme nun eine Regierung an die Macht (nicht an die Herrschaft, denn die liegt beim Kapital), die keinen Einfluss auf die Gewerkschaftsspitzen hätte und keinen auf das reformistische Lager, könnte es Probleme geben.
Klüger (im Interesse von Staat und Kapital) ist es da, CDU und SPD regierten weiter. Gemeinsam können sie Teile dieses reformistischen Lagers einbinden und so befrieden, dass ihnen keine Aufstände drohen und keine Humanisierung der herrschenden Verhältnisse – weder hier noch anderswo.
Millionen neue Arbeitslose. Massenarmut. Bankenrettungsmilliarden. 10 Milliarden Euro allein für Opel (wie viel Arbeitsplätze bekommt man dafür?). Wetten: bald werden die regierenden Parteien von großen, schicksalhaften »nationalen Anstrengungen« reden und uns einzureden versuchen, dass wir den »Gürtel enger schnallen« müssen und dass wir mal wieder »alle in einem Boot« sitzen – wenn auch die einen als Galeerensklaven, die anderen auf der Brücke oder im Penthouse der Reederei. KünstlerInnen dürfen die Galeere bunt anstreichen, Ökos sie begrünen, Blogger bloggen.
Das Land, in dem wir leben, im Jahr 2010: Millionen neue Arbeitslose, Schutzlosigkeit, Sklavenarbeit und Lohnraub. Weltweite Raubzüge auch deutschen Kapitals. Lebensgefährlicher Klima»wandel«. Ein aufgerüsteter Atomstaat. Kriege mit deutscher Beteiligung. Mit Sicherheit in einer Überwachungsgesellschaft.
Die ganze Oper um ein solches TV-Duell und alle die inszenierten kleinen Wahlkampf-Konflikte dienen dazu, die Menschen abzulenken, zu verwirren und von jedem Gedanken an Opposition abzubringen. Es bedarf also einer grundlegenden Meuterei.
Hinweise:
Die Darstellung der Entstehung und des Verlaufs der Weltwirtschaftskrise findet sich in Jutta Ditfurths Buch »Zeit des Zorns. Streitschrift für eine gerechte Gesellschaft«. München: Droemer Verlag 2009, 272 S., 16,95 Euro
Der ungekürzte und unveränderte Blog-Text darf unter folgenden Auflagen nachgedruckt werden:
1. Direktlink zu: http://blog.prinz.de/wahl09/
2. Direktlink zu: www.jutta-ditfurth.de





Markus Lehr
15.09.2009 | 19:46
Diagnose - Therapie
Ach, Frau Ditfurth. Ihre Diagnose ist ja richtig, aber leider verfügen auch Sie über keine angemessene Therapie.
Akatshi
15.09.2009 | 20:02
Meuterei? Ich bin dabei. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass sich die meisten „Seefahrer“ hierzulande durch Charaktereigenschaften auszeichnen, die die Wahrscheinlichkeit bei dem Unternehmen Schiffbruch zu erleiden, stark erhöhen. Um nur einige zu nennen:
Autoritätsgläubigkeit, Untertänigkeit, Gefallen am fremdbestimmten Leben und den festen Glauben ans System (Politik, Wirtschaft kurz Kapitalismus). Die Konsequenz ist dann wohl die „anderen“ zu mobilisieren (oder nach Frankreich zu segeln?).
Was den Polit-TV-Verdummungszirkus angeht, stimme ich voll zu. Es bleibt anzumerken, dass gerade die meinungsbildenden Talkshow-MasterInnen inzwischen selbst zu Marken verkommen sind. Zum Teil haben sie ihre eigenen Produktionsfirmen gegründet und verkaufen ihre Sendungen den TV-Sendern gleich fertig produziert und am Stück. Bezahlt wird das (bei den öffentlich-rechtlichen zumindest) von den GEZ Gebühren der Zuschauer - aber das nur nebenbei. (Einen kleinen Überblick gibt es hier: http://archiv.mopo.de/archiv/2008/20081222/hamburg/politik/das_haben_sie_gezahlt.html ).
Wichtiger als die Frage, ob solche Produktionsabläufe und Zahlungen angemessen sind, ist aus meiner Sicht die, ob bei solchen Interessenslagen professioneller, kritischer Journalismus betrieben werden kann? Immerhin sind die Talk-Gäste zugleich Politiker und/oder Lobbyisten, Kunden (Bekanntheitsgrad, Wählerstimmen) und Lieferanten (Einschaltquote für die Sendung nach Promi-Faktor der Gäste) in diesen Talkshowunternehmen.
Die Antwort auf diese Frage liefern die Sendungen selbst. Zum Beispiel der bunte Strauß an Talkshowformaten zur Bundestagswahl. Wirklich kritische Fragen? Werden nicht gestellt. Wirklich kritische Gäste (wie Jutta Ditfurth zum Beispiel)? Fehlanzeige. Oder habe ich da etwa was verpasst? Könnte sein, denn länger als 5 Minuten halte ich die Schaukämpfe und rhetorischen Blendfeuer, der in Wahrheit grundsätzlich einigen, nicht aus. Wenn ich’s recht bedenke besteht die große Koalition doch inzwischen schon aus 4 Parteitankern und der fünfte geht gerade vor Anker. Also, meutern oder ab ins Beiboot? Ahoi.
andy
15.09.2009 | 20:45
Nun, es geht doch eben nicht um eine “Therapie” sondern um Aufklärung und auf den Punkt bringen. genau das macht Jutta Ditfurth hier.
Eine Therapie wird es auch nicht geben. Eher werden wir indische Verhältnisse kriegen, so wie jetzt schon bei der privatisierten Berliner S- Bahn.
Nur die Geschwindigkeit dieses Fortschrotts ist noch unklar.
donald gärtner
15.09.2009 | 23:17
wo die jutta recht hat, da hat sie recht.
ich will ihr immer wiedersprechen - aber ich weiß nicht wo.
frjo
16.09.2009 | 07:28
Die Therapie!
Doch es gäbe eine ganz einfache Therapie:
DEN GENERALSTREIK
Aber solange die Gewerkschaftsbosse in den Aufsichtsräten das 100fache dessen bekommen (nicht verdienen!), was die treu bezahlenden Gewerkschaftsmitglieder für ihre Arbeit verdienen (aber leider nicht bekommen), wird es wohl nie dazu kommen.
Die Schere ist immer noch nicht weit genug aufgeklappt?
Wie lange warten die Gewerkschaftsmitglieder noch?
Und die 1-Euro-Jobber?
Angie erwähnte am Sonntag, wenn ich mich richtig erinnere, von einem Verhälnis 1:20 von Verdienst des Arbeitnehmers zum Boss.
“Wo träumt die nachts von?”
Erik Weihrauch
16.09.2009 | 07:33
Ich finde es richtig gut, dass es doch noch Menschen gibt, die diese gewollte Volksverdummung durchschauen. Es ist unerträglich unmenschlich geworden, hier zu leben. Die Demokratie ist auf einem Blatt Papier gut anzuschauen. Sie existiert allerdings real nicht. Wir leben in einer 2 Klassen Gesellschaft. Ich hätte nichts dagegen, wenn man das nur ehrlich sagen würde. Nur die Erkenntnis dessen, kann dazu genutzt werden, um zu metamorphieren und nicht zu wachsen. Eine Raupe, die GROSS genur ist, metamorphiert zu einem Schmetterling, Amoeben metamorphieren ab einer gewissen Populationsgröße zu einem Schleimpilz. Warum denken Politiker und Wirtschaftler immer noch, dass die Welt mitwächst? Der Umwelt ist es egal, ob wir sie versauen. Sie wird in einer Milliarde Jahren immer noch existieren, aber wir bringen uns selber um. Der Selbsterhaltungstrieb ist beim Kapitalisten ausgeschaltet. Er ist zum Sterben verurteilt und merkt es noch nicht einmal. Dass ist unerträglich. Der Cortex hat uns nicht viel geholfen. Einige sind auf der Evolutionsleiter abgestiegen.
Lasst uns aufstehen und allen die Augen öffnen. Alternativen gibt es genug oder denkt Ihr wirklich, man braucht Geld um um die Welt zu reisen???
Nagel
16.09.2009 | 08:07
Dipl.
schon 1968 habe ich andreas baader im zuchthaus wehlheiden gesagt: sprich immer nur für deine eigene lohngruppe und sprich nie für unterdrückte, zu denen du nicht gehörst.
Akatshi
16.09.2009 | 10:48
@ Nagel: Ich verstehe den Kommentar nicht. Was soll er sagen?
Keine Solidarität zeigen?
Keine Kritik am herrschenden System äußern?
Jeder hat da zu bleiben wo er ist - oder besser - in der Schicht, in die er hineingeboren wurde? Denn die ist in diesem Land doch noch immer maßgeblich für die Lohngruppe in der man höchstwahrscheinlich landet.
Alle drehen sich um sich selbst?
Oder geht es in die Richtung: Leutseligkeit ist menschenverachtend? Eine interessante These. Ob die nun allerdings eher 1968 Baader oder 2009 z. Bsp. Merkel mit auf den Weg zu geben ist, wenn sie uns im aktuellen Wahlwerbespot der CDU wissen lässt: “Ich wurde nicht als Kanzlerin geboren (…) Ich wollte Deutschland dienen”? Spitzenpolitiker als Diener (der Wähler - nicht des Kapitals)? Meine Prognose: Dieses Selbstverständnis dürfte sich personen- und parteiübergreifend am 27. September in den späten Abendstunden mit einer Geschwindigkeit verändern, die unter medizinisch-psychatrischen Aspekten als Indikator für einen schweren Fall von Schizophrenie gelten dürfte.
Dissident
16.09.2009 | 10:51
Deutschland bewegt sich am Rand der Regierbarkeit
“Deutschland bewegt sich am Rand der Regierbarkeit”
Prof. Dr. Gerd Strohmeier, Inhaber der Professur Europäische Regierungssysteme im Vergleich an der TU Chemnitz, befürchtet eine schwierige Koalitionsbildung nach der Bundestagswahl, die zu einer steigenden Politikverdrossenheit führen kann.
27 Parteien treten am 27. September 2009 zur Wahl zum 17. Deutschen Bundestag an. 62,2 Millionen Bürger sind dann aufgefordert zu bestimmen, welche Abgeordneten auf den rund 600 Sitzen des Bundestages Platz nehmen dürfen. Keine leichte Entscheidung, findet Prof. Dr. Gerd Strohmeier, Inhaber der Professur Europäische Regierungssysteme im Vergleich an der TU Chemnitz. Auch die Regierungsbildung nach der Wahl könnte sich schwierig gestalten, schätzt der Politikwissenschaftler ein.
“Die Bundestagswahl 2009 könnte dazu führen, dass sich Deutschland am Rand der Regierbarkeit bewegt”, so Strohmeier. Möglicherweise bliebe nur eine Große Koalition, eine Drei-Parteien-Koalition oder eine Minderheitsregierung zur Regierungsbildung übrig - alles Konstellationen, denen von verschiedenen Seiten mittlerweile eine Absage erteilt wurde. “Alle Alternativen - sollten sie überhaupt zustande kommen - haben gehörige Nachteile, insbesondere mit Blick auf die Regierungsfähigkeit, die durch die schwierigen Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat zusätzlich eingeschränkt wird”, sagt Strohmeier. So hat aktuell selbst die Große Koalition im Bund keine Mehrheit mehr im Bundesrat.
“Wähler geben in völliger Unsicherheit ihre Stimme ab”
Der Einfluss der Wähler auf die Koalitionsbildung ist laut Strohmeier für sie selbst schwer abzuschätzen: “Bei der Bundestagswahl 2009 geben die Wähler ihre Stimme in völliger Unsicherheit ab.” Schließlich könne nicht vorhergesagt werden, welche Parteien nach der Wahl eine Mehrheit haben werden und wer sich zu einer Koalition zusammenfände. “Unter Umständen befördern die Wähler mit ihrer Stimme eine Koalition ins Amt, die sie eigentlich verhindern wollen”, sagt der TU-Wissenschaftler und ergänzt: “Sollten viele Wähler im Kern für Schwarz-Gelb oder Rot-Grün votieren und dann wieder Schwarz-Rot bekommen, könnte dies die Politikverdrossenheit im Land massiv fördern.”
“Wahlversprechen sind unseriös”
Auch sich nach den Versprechen der Parteien im Wahlkampf zu richten, gibt den Wählern nicht mehr Sicherheit. “Es ist letztlich unseriös, in deutschen Bundestagswahlkämpfen Wahlversprechen abzugeben”, so Strohmeier. Grund dafür sei primär das Fünf-Parteien- System. Seit die Partei Die Linke neben CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis90/Die Grünen als fünfte Kraft in den Bundestag eingezogen ist, habe sich die Regierungsbildung erschwert. Die Parteien seien unter Umständen zu Koalitionen gezwungen, die nicht gewünscht sind oder nicht absehbar waren. “Außerdem sorgen die schwierigen Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat häufig dafür, dass Regierungskoalitionen ihre Politik in zentralen Bereichen nicht wie gewünscht umsetzen können”, sagt der Chemnitzer Politikwissenschaftler. Vor diesem Hintergrund sei die Aussage von Franz Müntefering, derzeitiger Bundesvorsitzender der SPD, aus dem Jahr 2006 völlig richtig. Er sagte damals, es sei nicht gerecht, Regierungsparteien an dem zu messen, was sie im Wahlkampf gesagt haben.
Josie Michel-Brüning
16.09.2009 | 16:36
Dank an Jutta und alle Kommentatoren!
Ich denke gerade, dass noch ein Aspekt nicht genannt wurde, nämlich der der “Globalisierung”, die ja eigentlich schon vor 500 Jahren von den euopäischen Kolonisatoren ausging und jetzt maßgeblich neoliberal von den USA betrieben wird. Sie kündigte sich mit der Monroe-Doktrin im 19. Jahrhundert von Thomas Jefferson schon an, setzte aber erst mit aller Macht nach dem 2. Weltkrieg ein.
Unsere von Angie so gepriesene “soziale Marktwirtschaft” unter Ludwig Erhard, diesen Kompromiss unserer BRD-Gesellschaft,
verdankten wir dem Marshall-Plan, in dessen “Genuss” wir kamen, weil wir im Sinne der Interessen der USA ein “Bollwerk” gegen den Kommunismus bilden “durften”.
Nachdem der Kampf der Systeme zugunsten des kapitalistischen ausgegangen zu sein schien, hatten unsere jeweiligen Regierungen einen anderen “Auftrag”. Nur so konnte ich es mir beispielsweise erklären, dass ausgerechnet die Grünen sich als Kosovo-Krieg-Befürworter hervortaten.
Was uns blühte, wenn wir es tatsächlich schafften, ein sozialgerechtes System auch nur anzustreben, sieht man an den lateinamerikanischen Staaten, die sich mehr und mehr bemühen, aus ihrem Hinterhofdasein im Schatten des großen Nachbarn zu emanzipieren.
Aufklärung über diese Zusammenhänge und Wechselwirkungen wäre die oberste Pflicht und dann sollte man die Dialogfähigkeit “globalisieren“, sich mit den progressiven Kräften der Erde austauschen.
Die USA könnten nicht überall gleichzeitig Krieg und Verdummungspolitik betreiben.
Rainer Kranzusch
16.09.2009 | 17:01
"Weltuntergang" nach dem 27.11. ?
Sorry,Frau Ditfurth,aber ihr polemischer Text zum Blog-Thema geht mir zu weit.Irgendwie gewinne ich den Eindruck,ihre These davon,was
einen ‘nicht autoritätshörigen Menschen’
ausmacht,führt bei Ihnen in eine totale Ausblendung unweigerlicher Realitäten.Sie
kommentieren/beurteilen die derzeitigen
‘talkshow’s’ usw. wie aus der Position einer
“splendid isolation”.Sie prognostizieren in
die nächste Legislaturperiode dunkelste
Perspektiven,die auf uns alle zukommen werden.Selbstredend behauptet sich dagegen
sogar Sarah Wagenknecht professioneller im Diskurs mit TV-Kontrahenten !!Sie gehört
immerhin einer Partei an.
Dieser Blog bleibt zwar interessant,aber
halt nur aus seiner Perspektive totaler
Losgelöstheit jeglicher politischer Mitverantwortung oder konkret-bereiten Stellungnahme für eine Partei,der man am 27.11. besser seine Stimme geben sollte.
Helmut Paul
16.09.2009 | 17:26
Protest, Demonstrationen-alles, was geeignet ist, die “einfachen” Menschen aufzuklären, aufzurütteln und schließlich zum Handeln anzuregen.
Wer sind die einfachen Leute?
Ich scheue mich eigentlich, diese Bezeichnung zu benutzen. Wer zählt sich dazu, wer wird dazu gezählt, wo sind die Grenzen, gibt es eine Definition?
Ich bin eine einfache Frau oder ich bin ein einfacher Mann hört und sagt man, ohne zu überlegen, was damit im engeren Sinne gemeint ist.
Gemeinhin versteht man unter einfachen Leuten Menschen, die ihren gesunden Menschenverstand gebrauchen, bodenständig sind, treu ihrer Arbeit nachgehen ohne zu murren, bescheidene Ansprüche stellen, sich an die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze halten.
Die einfachen Leute tragen das Staatsgefüge, reproduzieren unentwegt seine Grundlagen, den Reichtum der Reichen darin eingeschlossen. Sie lassen sich lieber lenken als selbst zu gestalten und sind leider zuweilen manipulierbar.
Sie vertrauen “denen da oben”, mehr oder weniger, vorwiegend weniger.
Und sie sind geduldig, unsagbar geduldig.
Es bedarf allerdings eines relativ kleinen Funkens an das explosionsgefährdete Gemisch spannungsgeladener Menschen, um nur ein Drittel davon zur Explosion zu bringen, um damit gesellschaftliche Umwälzungen zu bewirken, wie es im Herbst 1989 folgerichtig geschehen ist.
Wann werden die einfachen Leute erneut explodieren?`
Das kann dauern, sehr lange dauern, aber dann!
Deshalb brauchen wir Persönlichkeiten wie Jutta Ditfurth, die mit schonungsloser Kritik, mit nie nachlassendem Eifer und mit beharrlicher Geduld ihren Beitrag leisten.
Wir müssen uns vergegenwärtigen, auf welch hohem Niveau wir unsere Gedanken austauschen können unter Nutzung moderner Kommunikationsmittel. Das sind neben vielen anderen Errungenschaften gesellschaftlicher Entwicklung, die für uns selbstverständlich geworden sind. Dennoch gibt es ausreichend Gründe, zutiefst besorgt zu sein, was die Zukunft der Menschheit angeht. Es hat fast den Anschein, als müssten erst verheerende Katastrophen die Mehrheit einer Gesellschaft zur Vernunft bringen.
Meuterei? Nein!
Das Gewinnen für eine Alternative muss nun im Vordergrund stehen. Welche Alternative? Darüber sollten wir uns verständigen und vielleicht auch streiten.
Parallelgesellschaften, antiautoritärer Sozialismus? Da kann es kühne Ideen geben in Hülle und Fülle. Aber:” Lieber eine Idee sterben lassen als für eine Idee Menschen opfern.”
Das ist ein Zitat aus dem Buch “Jenseits von Gut und Böse” von Michael Schmidt-Salomon. Ich kann nur jedem das Buch empfehlen, wobei man alle ” Wachen” vor seinem Hirn eliminieren sollte, um dann ein höheres Maß an Gelassenheit gewinnen zu können.
Bei aller Empörung gilt es, besonnen zu sein. Aufruf zur Meuterei?
Das Wort ist seinem Inhalt nach zu negativ besetzt ( aus der Seefahrt entlehnt und dort strafbar) und ermuntert zu militanten Handlungen und spielt somit in die Hände der Machtorgane.
Machtvolle Demonstrationen, ja! Wer organisiert sie?
Vor allem friedliche Demonstrationen, wie sie 1989 in Leipzig und Berlin gelungen sind, ohne Vermummung, ohne Steine, ohne Zertrümmerung von Fensterscheiben und Autos-zivilisiert eben.
Wolfgang Hoss
16.09.2009 | 18:28
Meines Erachtens charakterisiert Jutta Ditfurth das so genannte TV-Duell am 13.9.2009 zwischen Merkel und Steinmeier zur Wahl 2009 vollkommen zutreffend als banale Diskussion, als Fliegenschiss der zum Mount Everest aufgebauscht wurde, und auch Akatshi stimmt ihr zu und nennt solche und ähnliche TV-Shows zu recht „Polit-TV-Verdummungszirkus. Er weist unter anderem auch auf die großen Kosten dieses Polit-Theaters hin, die hauptsächlich der „kleine Mann“ tragen muß. Nebenbei bemerkt war diese TV-Show nicht nur banal und nur ein Fliegenschiss in ihrer objektiven Wirkung auf die gesellschaftlichen Verhältnisse, sondern sie war auch ausgesprochen langweilig. Akathsi meint, daß er sich solche Shows nicht länger als 5 Minuten ansehen kann. In der DDR war im Volksmund die Rede von zwei ganz besonderen, sehr kleinen Maßeinheiten der Zeit, dem „Schni“ und dem „Ulb“, wobei 1 Schni gleich 1/1000 Ulb war, d.h. diejenige Zeitspanne, die verging bis der DDR-Zuschauer nach dem Beginn der Rede von Schnitzler bzw. von Ulbricht abgeschaltet hat. In der BRD wäre es angebracht die Zeiteinheit „Merk“ (1 Merkel) einzuführen mit dem Verhältnis 1 Merk=1/1000 Schni. In der DDR ging das nicht, denn Frau Merkel war nur eine gute systemtreue FDJ-Sekretärin, die im Fernsehen nicht beachtet wurde.
Die Regisseure des großen Polit-Theaters geben sich die größte Mühe der Langweiligkeit des Polit-Lügentheaters entgegenzuwirken, nicht nur in der BRD, sondern z.B. auch in den USA im Obama-Theater (Hollywood stehen hierfür unbegrenzte Mittel zur Verfügung), denn das große Polit-Theater, einschließlich Demokratie-Theater, ist für die herrschende Klasse und ihr heutiges System überaus wichtig. Die Nutznießer und Machthaber des Systems brauchen diese Propagandaschlachten um dem Volks und sich selbst vortäuschen zu können, daß erstens, ihr Staat ein demokratischer ist, in welchem alle Macht vom Volk ausgeht, vor allem gerade deshalb, weil in ihm in der Wirklichkeit eine extreme Diktatur des großen Industrie- und Finanzkapitals errichtet wurde, und zweitens, um vorzutäuschen, daß die herrschende Klasse und ihrer Diener in den Regierungen die Steuermänner des Systems sind, die das Schiff in rauer See über Wasser halten und zum gewünschten Ziel führen können, bzw. daß sie die großen sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Probleme im Spätkapitalismus lösen können. Der Riesenaufwand des großen Polit-Theaters ist also notwendig um der Gesellschaft und sich selbst vortäuschen zu können, daß im großen und ganzen im spätkapitalistischen System alles in Ordnung ist und alle großen ungelösten Probleme demnächst durch die Führungseliten gelöst werden.
Jutta Ditfurth ruft berechtigt zum Widerstand und Aufbebehren gegen dieses System und seinen Staat und seine asoziale und langfristig gemeingefährliche Politik auf – als Marxist würde ich sagen sie ruft zum Klassenkampf auf, anstelle der Mitarbeit in Regierungen, die das System natürlich stabilisieren wollen und müssen. Welche konkreten Kampfformen im Interesse der großen Mehrheit des Volkes in der gegenwärtigen Situation in der BRD die besten sind, ist freilich eine sehr schwer zu beantwortende Frage. Der Staat des Großbürgertums versucht alles um den Klassenkampf zu unterdrücken, er will das sterbende, faulende System um jeden Preis erhalten, auch um den Preis, daß er letztlich die ganze Menschheit in die Katastrophe treibt. Explosionsartig wachsende Abfälle schädigen unsere Ökosysteme, wachsende feste und flüssige Abfälle, darunter hochgiftige Abfälle wie Atommüll, vergiften Pflanzen, Tiere und Menschen, wachsende Mengen an Verbrennungsgasen verändern in geologischer Größenordnung die Atmosphäre - das Klima kippt, Wüsten breiten sich aus, Land wird durch Straßenbau für den Transport exponentiell wachsender Gütermengen, für den Bau von Luxuswohnungen, darunter für Villen von Reichen mit Swimmingpool, Golfplatz, und Flugzeuglandeplatz, und für Infrastruktur- und Industriebauten in exponentiellem Tempo „zubetoniert“. Der Platz für die Landwirtschaft und für Pflanzen und Tiere im allgemeinen nimmt dramatisch ab, abgesehen von Schädigungen durch Abprodukte verschiedener Art sowie durch Dürren und „Sintfluten“. Und schlimmer noch, etwa 1 Milliarde Menschen haben die führenden Eliten und die Großschmarotzer des Kapitals in den vergangenen 20 Jahren verhungern lassen, etwa 50 Millionen Menschen verhungern in einem Jahr und etwa 100.000 Menschen an einem einzigen Tag, und die „freien und demokratischen“ Massenmedien des bundesrepublikanischen Staates erwähnen es gar nicht mehr. Sie zeigen vielmehr an jedem Tag superreiche Schmarotzer und ihre käuflichen Damen in rosigem Licht. Die Unmoral und Dekadenz dieser Medien könnte nicht größer sein.
Wenn aber der spätbürgerliche Staat und sein kapitalistisches System die Gesellschaft langfristig in die Katastrophe treiben, dann ist es trotz aller Methoden der staatlichen Gewalt und des staatlichen Lügen-Theaters, trotz Bombenteppichen, Folter, Totalüberwachung und Psycho-Weltkrieg, nur eine Frage der Zeit bis sich soziales Chaos und politische Unruhen einstellen. Gegenwärtig haben sich solche Zustände in vielen armen Ländern bereits eingestellt, die reichen Ländern trifft es nur später, wenn sie nicht willens und in der Lage sind den Realitäten ins Auge zu sehen und das alte System grundlegend zu ändern. Der Aufruf zum Aufbegehren und zur Systemveränderung ist also voll berechtigt.
Christoph Preuschoff
17.09.2009 | 06:59
Duelle, geführt ohne die Waffe der Kritik, bringen nichts.
Meuterei also. Ja!
Eingriffsmöglichkeiten gibt es viele. Wenn die Menschen die sich bietenden Risse im System nicht nutzen, liegt das oft daran, dass ihnen jahrzehntelang, inzwischen in drei Jahrhunderten, weisgemacht wurde, kleine reformistische Schritte immer schön vor und zurück hätten größere Erfolgschancen als große radikale, befreiende Schritte oder gar emanzipatorische Sprünge nach vorn. Widerstand, da wo er (noch) nicht (groß) ist, aufzubauen ist immer schwierig. Und er verlangt das Engagement der Einzelnen und Vereinzelten, die Anstrengung, sich nicht zu müde machen zu lassen durch Lohnarbeit und Reproduktionsstress. Damit unter anderem beginnt – und hat längst begonnen – die Lösung des Problems, die hier einige vermissen, und die nichts anderes als die tatkräftige Abschaffung des Kapitalismus ist.
Tlaxcala
17.09.2009 | 21:19
La gran coalición y el “esfuerzo nacional”
Spanische Fassung dieses Beitrags hier/Versión espanola de ese contributo: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=8704&lg=es
Tlaxcala
18.09.2009 | 17:29
Grande coalition et « effort national »
Die französische Fassung dieses Beitrags ist hier zu lesen/La version française de cet article peut être lue ici :
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=8722&lg=fr
Ingeburg Peters
21.09.2009 | 09:30
mal ganz abgesehen davon, in welcher konstellation eine neu gewählte bundesregierung für uns bürger günstig wäre (ich persönlich glaube nicht mehr an dies marionettentheater), möchte ich heute im vorfeld der bundestagswahl verstärkt auf die enormen finanziellen vorteile von politikern hinweisen.
ich denke mal, das ist keinesfalls allen klar, wie gut als politiker verdient wird, und zwar schon auf niedrigster ebene.
das gehalt eines bundestagsabgeordneten liegt bei rund 8000 euro ohne nebeneinnahmen, aber selbst geschäftsführer der bezirksratsfraktion einer kleinen partei sind vollzeitpolitiker und können davon leben.
wer da an ehrenamtlichkeit und ähnliches glaubt, ist schlichtweg naiv.
das heißt also, der groß-konzern parlamentarismus ist ein einträgliches geschäft für die bei ihm beschäftigten politiker, von dieser mikro-bezirksebene schon angefangen und ganz zu schweigen auf europa-basis, wo bis vor kurzem ja total schamlos abkassiert wurde (familienangehörige als proforma-bürokräfte bezahlt usw.), und aufgeklärt wird ja so etwas grundsätzlich erst zehn bis 20 jahre später.
big business politik: schröder und fischer leben heute noch als lobbyisten luxuriös davon.
wahlen? ohne mich. ich mach mich doch nicht zum affen der absahner.
Schicken Sie Ihre Wahlbenachrichtigung an den OMNIBUS. So zeigen Sie als Nichtwähler, dass Sie die bundesweite Volksabstimmung wollen und brauchen. Die Wahlbenachrichtigungen werden am 28. September um 11 Uhr in einer Aktion am Reichstagsgebäude präsentiert. Bitte schicken Sie die Wahlbenachrichtigung so, dass sie spätestens am 26. September ankommt, an:
OMNIBUS FÜR DIREKTE DEMOKRATIE
Greifswalder Straße 4
10405 Berlin
Rainer Kranzusch
21.09.2009 | 09:31
ach Jutta,jetzt machste an den medienspielchen
auch mit.HARALD SCHMIDT vorgestern toppte den
ULK für sich;aber insgesamt ob gestern oder heute ist das doch alles Einerlei.Schade.Jutta
auch Du,sage ich nur…auch Du….
Tlaxcala
21.09.2009 | 19:24
What the Germans can expect from elections: Grand Coalition again and ‚national effort’
Die englische fassung dieses Betrags kann hier gelesen werden/ The English version of this article can be read here:http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=8756&lg=en
Franziska
22.09.2009 | 13:50
Nach der Wahl ist vor der Wahl. Was passiert mit Deutschland? Ampel hin oder her.
Wir müssen darauf gefasst sein, dass es uns nochmal Knüppel dicke trifft.
Günter Cave
23.09.2009 | 06:27
Diagnose - Therapie
… natürlich hat JD eine Therapie. Ihr fehlen nur die Gefolgsleute und zwar VIELE. Wie sie schon richtig erkennt. Die Massen sind mit RTL und unreifen Bananen befriedet worden. Das klappt … unglaublich.
gerhard
23.09.2009 | 10:31
große koalition
1989 waren die Deutschen angeblich das glücklichstge Volk der Welt. Am 27.09.2009 werden sie beweisen, dass sie auch das blödeste sind.
Stimme mit der Autorin völlig überein.