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»Deutschland ist ein sehr eigenartiges, oft schwer erträgliches Land«

Am Wochenende 19./20.9.2009 erschien im Nordkurier (Mecklenburg-Vorpommern) das folgende Interview, das ich hier ein- und zur Diskussion stelle. Das Interview führte Matthias Wolf (Redaktion Neubrandenburg).

Die Publizistin und Politikerin Jutta Ditfurth vertritt eine ökologisch-sozialistische Grundposition und fordert unter anderem Basisdemokratie und die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen. Warum es im Moment ihrer Ansicht nach keine wählbare linke Partei gibt, hat Jutta Ditfurth im Interview Matthias Wolf erzählt.

Nordkurier: Sie haben mit ihrer Streitschrift Zeit des Zorns die Debatte über Alternativen zum Kapitalismus neu entfacht und suchen ein Bündnis von Menschen herzustellen, die sich gegen Ausbeutung und Erniedrigung der Menschen und Vernichtung von Natur wehren.

Ditfurth: Die Lektion aus der Geschichte ist, dass wirkliche Verbesserungen der sozialen Lage nur durchgesetzt werden, wenn die Menschen ihre Interessen selbst in die Hand nehmen und sich organisieren. Es gibt keine soziale Verbesserung – das Wort „Reform“ ist ja inzwischen missbraucht und vergiftet –, die jemals einem Parlament oder einer Regierung einer kapitalistischen Gesellschaft entsprungen ist. Die gießen höchstens eine verwässerte Version unserer Forderungen in Gesetze und Verordnungen. Alle Rechte, die wir heute verteidigen, wurde von sozialen Bewegungen erkämpft, von der Arbeiterbewegung, der Frauenbewegung, der Antikriegsbewegung, der Ökologiebewegung.

Nordkurier: Alle reden von Krise. Aber was genau heißt Krise? Sie schreiben in „Zeit des Zorns“: „Der Kapitalismus ist schon im Normalzustand eine Katastrophe für Mensch und Natur.“ Weltweit sind die Auswirkungen zu spüren, von den Wanderarbeitern in China bis in die kapitalistischen Zentren. Wird die Weltwirtschaftskrise den Druck auf die Abschaffung von erkämpften sozialen Errungenschaften erhöhen? Was droht den Bürgern womöglich an Zumutungen nach der Bundestagswahl?

Ditfurth: Bald nach der Bundestagswahl wird es Massenentlassungen geben. Die Kurzarbeit wurde bloß finanziert, damit das nicht vor den Wahlen passiert. Die Weltwirtschaftskrise wird denjenigen Fraktionen des Kapitals irrwitzige Vorteile und Extraprofite bringen, welche die Krise überleben. Sie können Konkurrenten fressen, unser aller Reichtum als billige Beute einfahren und eingeschüchterten Menschen noch mehr Lohn rauben – solange die sich nicht wehren. Aber viele Deutsche sind autoritätsgläubige Untertanen. Eine Partei soll’s richten oder der Staat. Aber er ist der Staat des Kapitals. Im Kommunistischen Manifest heißt es zutreffend: „Die moderne Staatsgewalt ist nur ein Ausschuss, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der ganzen Bourgeoisieklasse verwaltet.“

Nordkurier: Sie beschreiben US-Präsident Barack Obama als „charismatischen Technokraten und Modernisierer des Kapitalismus“, „dessen historische Aufgabe es sein wird, die USA in der Weltwirtschaftskrise zusammenzuhalten, so dass es nicht zu einem Chaos kommt, an dessen Ende die herrschende Ordnung zerrüttet wäre.“ Erlauben die Mächtigen immer nur kleine Änderungen am Gesellschaftsmodell, damit im Grunde alles so weiter laufen kann? Ist alles eine Geschichte von Klassenkämpfen?

Ditfurth: In kapitalistischen Gesellschaften herrscht immer Klassenkampf, und wenn die Ausgebeuteten und Erniedrigten sich nicht wehren, gibt’s ihn eben nur von oben nach unten. Multimilliardär Warren E. Buffett sagte 2006 zur New York Times: „Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.“ Als Buffett im Mai 2008 verkündete, dass er Obama im Wahlkampf unterstützen würde, waren mir zwei Dinge klar: Obama würde gewinnen und die Krise würde in den USA derartig schwer einschlagen, dass das Kapital jemand an der Staatsspitze brauchte, der in der Lage sein würde, Teile des fortschrittlichen Lagers einzubinden und so zu befrieden, dass keine Aufstände drohten. So wie 1998 in Deutschland SPD und Grüne von starken Kapitalfraktionen als Regierung gebraucht wurden, weil der erste Krieg seit 1945 zu führen war, der Jugoslawienkrieg, und die sozialbrutale Agenda 2010 und Hartz IV durchgesetzt werden sollten.

Nordkurier: Sie analysieren an vielen Beispielen, wie sich das Kapital die globale Wirtschaftskrise zunutze macht, um sich der noch verbliebenen sozialen und demokratischen Errungenschaften ebenso wie ökologischen Erfordernissen zu entledigen. Warum gibt es dagegen so wenig Widerstand, besonders in Deutschland? Hat das mit der „Sozialpartnerschaft“ von Unternehmen und Gewerkschaften zu tun? In Frankreich kidnappen Arbeiter ihre Bosse, drohen mit der Sprengung ihrer Fabrik, wenn über ihre berechtigten Forderungen nicht verhandelt wird.

Ditfurth: Deutschland ist ein sehr eigenartiges, oft schwer erträgliches Land. Man braucht manchmal die lebendige Erfahrung von sozialen Kämpfen in anderen Ländern – Frankreich, Griechenland, Lateinamerika –, sonst hält man es hier als politische linke Aktivistin kaum aus. Viele Deutsche sind kulturhistorisch über viele Generationen als Untertanen sozialisiert und geben das Duckmäusertum an ihre Kinder weiter: „bloß nicht auffallen – die da oben werden’s schon richten – was kann ich schon tun? – den Reichen soll’s besser gehen, damit ein paar Brosamen für uns abfallen usw.“ Millionen Menschen sind sich ihrer Kraft nicht bewusst. Und viele sind zu feige, sich gegen die Obrigkeit zu wehren und treten nach unten, werden Rassisten und Nazis. Was einmal Arbeiterbewegung war, ist zerrüttet, woran die SPD nicht unmaßgeblich Schuld trägt. Die „sozialpartnerschaftliche“ Versöhnung mit dem Kapital brach der Arbeiterbewegung den Hals. Wir haben heute in Deutschland zwar eine Arbeiterklasse, aber keine, die sich ihrer selbst als Klasse bewusst wäre.

Nordkurier: Und dennoch gibt es punktuell große Bewegungen, die viel erreichen können. Als im Sommer 2007 in Heiligendamm der G8-Gipfel stattfand, haben zehntausende Demonstranten den Mächtigen der Welt gezeigt, dass sie gegen ihre menschen- und umweltfeindliche Politik fantasievoll protestieren können, auch wenn man ihnen massiv Polizei, Militär und teure Zäune in den Weg stellt.

Ditfurth: Die Woche in Heiligendamm war toll, besonders auch, weil es eine relativ große Toleranz zwischen den verschiedenen GipfelgegnerInnen untereinander gab: Radikalere Aktionen wurden genauso respektiert wie gewaltfreie. Das lag in der Verantwortung der Gruppen selbst. Bei meinen Recherchen für „Zeit des Zorns“ fand ich aber etwas Überraschendes heraus: Die Linkspartei hatte als Regierungspartei in Mecklenburg-Vorpommern die „Besondere Aufbauorganisation (BAO) Kavala“ für den Gipfel von Heiligendamm ermöglicht. In der Kavala arbeiteten, verfassungswidrig, Bundes- und Landesbehörden, Militär und Landespolizei engstens zusammen – gegen die Demonstranten. Kavala bekam eine Sonderrechtszone ohne jede demokratische Kontrolle, schikanierte Demonstranten, zwang sie, sich nackt ausziehen, sperrte sie in Guantanamo-Käfige, drangsalierte Journalisten und behinderte Anwälte. Eine Art ambulante Diktatur. Die Linkspartei hat auch noch geholfen, das Geld dafür in den Haushalt einzustellen. Kaum fiel sie nach den Landtagswahlen aus der Regierung hängte sich die Linkspartei flugs das Oppositionsmäntelchen um.

Nordkurier: Sie rechnen in ihrer Streitschrift mit denen ab, die auf Kosten der Allgemeinheit Nutzen ziehen aus der heutigen wirtschaftlichen Krise, und mit all den Politikern und Funktionären, die das Ideal einer humanen Gesellschaft verraten haben. Wo sind die Gegenkräfte?

Ditfurth: Dass es „die Arbeiterklasse“ zwar soziologisch gibt, aber nicht als revolutionäre Klasse, habe ich ja schon gesagt. Das macht die Organisationsfrage ein bisschen kompliziert aber zugleich reizvoll. Wir wollen ein Bündnis aus dem emanzipierten, politisch bewussten Teil der Arbeiterschaft, Migranten, Künstlern, Hartz IV-Empfängern, Leiharbeitern, Angestellten, Intellektuellen, Wohnsitzlosen und vielen anderen. Das heisst, alle müssen lernen, über den Tellerrand des eigenen kleinen Milieus hinauszuschauen und sich mit Leuten auseinanderzusetzen, die vielleicht nicht die gleiche Musik mögen und andere Klamotten tragen als sie selbst, die aber in den Grundfragen der gleichen Meinung sind: dass die Ausbeutung des Menschen und die Naturvernichtung nur abzuschaffen sind, wenn wir den Kapitalismus loswerden.

Nordkurier: Seit 1990 verbrachten sie viel Zeit im Osten Deutschlands und konnten aus der Nähe die Arbeit der „ostdeutschen Volkspartei“ PDS  beobachten, die für sich in Anspruch nimmt, linke Politik zu machen.

Ditfurth: Ja, ich war vor allem in Mecklenburg-Vorpommern. Manchmal klären schon kleine Ereignisse über den Charakter einer Partei auf. Helmut Holter war Bauminister in der SPD/PDS-Landesregierung. Als die Halbinsel Wustrow an die Fundusgruppe verkauft wurde und er erlaubte, dass sie umweltzerstörerisch und luxuriös dicht bebaut werden dürfte, kriegte er Ärger mit der eigenen Basis. Auf einer Parteiversammlung fragte ihn ein alter Mann, ob er damit nicht das Kapital stärken würde? Unnachahmlich Holters Antwort: „Natürlich, Genossen, stärke ich damit das Kapital. Aber, Genossen, es sind doch unsere Leute.“

Nordkurier: Fühlten Sie sich dabei manchmal wie bei den Grünen, die sie 1991 verließen: als Oppositions- und Protestpartei gestartet, aber im Willen zur Macht und zur Regierungsbeteiligung gezähmt?

Ditfurth: Die PDS ist nicht als Oppositionspartei gestartet sondern als gekränkte ehemalige Staatspartei, die einen Staat gehabt hatte sowie soziale Reputation und diese um fast jeden Preis wieder haben will. Sie hat eine andere Geschichte als die Grünen. Aber ihre Doppelzüngigkeit ähnelt der der späteren Grünen schon sehr. Zur Kapital- und Staatsseite hin signalisieren: wir sind gar nicht so links, wir lassen den Kapitalismus in Ruhe, wir tasten die Eigentumsfrage nicht an, aber den Wählern gegenüber spielen sie die Sozialisten. Die PDS/Linkspartei ist längst nur eine weitere prokapitalistische Partei. In Berlin betreibt sie doch brutalste Elendsvermehrung und Befriedung ganz im Interesse des Kapitals.

Nordkurier: Im Zusammenhang mit den politischen Umwälzungen des Jahres 1989 in der DDR wird statt von „Wende“ immer häufiger von einer „friedlichen Revolution“ gesprochen. Ist das nicht ein Widerspruch in sich?

Ditfurth: Eine Revolution ist die Abschaffung von Herrschaftsverhältnissen. 1989 gab es keine Abschaffung, sondern die Übernahme neuer, kapitalistischer Herrschaftsverhältnisse. Deutschland hat weder 1848 noch 1918 eine Revolution geschafft und nun diese Mystifikation…

Nordkurier: Der Berliner Dokumentarfilmer und Theaterregisseur Thomas Heise sagte kürzlich: „Auch die Bundesrepublik konnte sich 1989 eine Bevölkerung, die öffentlich über die gesellschaftlichen Grundlagen nachdenkt und vielleicht eine andere Gesellschaft will, gar nicht leisten.“ Wie reagierte die Linke im Westen auf den Verlust der Systemalternative? Bedauerten Sie das Verschwinden der DDR oder hielten Sie es für notwendig?

Ditfurth: Ich hätte es gut gefunden, wenn die DDR ein unabhängiger Staat geblieben beziehungsweise geworden wäre mit einer Chance auf eine autonome Entwicklung hin zu einem wirklichen, basisdemokratischen Sozialismus. Natürlich hatte und haben die herrschenden Kreise in der Bundesrepublik kein Interesse, die Grundlagen ihres Systems in Frage stellen zu lassen.

Nordkurier: Was kann der kritische Bürger wählen zur Bundestagswahl am 27. September, wenn in Ihren Augen reformistische Parteien wie SPD, Linke und Grüne schon von vornherein ausfallen?

Ditfurth: Für unabhängige Linke gibt es zur Zeit nichts zu wählen. Das Angebot ist zu schlecht und das Leben ist zu kurz, um kleinere Übel, die auch nur Übel sind, zu wählen. Ich wähle ungültig. Emanzipatorische politische Veränderungen erreicht man auch nicht durchs Wählen.

Nordkurier: Werden außerparlamentarische Bewegungen überhaupt genügend Druck aufbauen können, um Veränderungen zu erzwingen?

Ditfurth: Es sind immer Minderheiten, die eine Gesellschaft fortschrittlich verändern. Selbst die Arbeiterbewegung, die bedeutende soziale Verbesserungen erkämpfte, war zu ihren Hochzeiten eine gesellschaftliche Minderheit.

Nordkurier: Als Soziologin und Publizistin sind Sie viel unterwegs. Neuerdings bloggen sie auch; zuerst bei Ihrem Verlag Droemer, jetzt bei Prinz, offensichtlich mit großem Erfolg. Was tut Jutta Ditfurth, wenn Sie nicht an neuen Texten schreibt?

Ditfurth: Ich entwickle eine neue Art von szenischer Lesung, sie heißt: „Zum 75. Geburtstag von Ulrike Meinhof: Szenische Lesung – Ermittlungen über Ulrike Meinhof (mit Bildern und Fundsachen)“. Die wird an verschiedenen Theatern aufgeführt, zum Beispiel am 6. Oktober im Berliner Ensemble, vielleicht ja auch in Zinnowitz und Barth. Ich schreibe an einem neuen Buch, recherchiere eine Reportage, mache viel Politik und heute abend gehe ich rocken.

 

Hinweise:

Jutta Ditfurth: Zeit des Zorns. Streitschrift für eine gerechte Gesellschaft, München: Droemer Verlag 2009, 272 S., 16,95 Euro

http://www.nordkurier.de/index.php?objekt=nk.wochenendkurier.heutzutage&id=581929 

Der ungekürzte und unveränderte Blog-Text darf unter folgenden Auflagen nachgedruckt bzw. im Internet veröffentlicht werden:

1. Direktlink zu: http://blog.prinz.de/wahl09/

2. Direktlink zu: www.jutta-ditfurth.de  

16 Kommentare

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  1. DerKulturbeauftragte

    21.09.2009 | 18:18

    Diskussion auch im Wahl- OstBlog

    Wir haben jeweils passende provokante Antworten aus dem Nordkurier-Gespräch auch auf unserem OstBlog http://ostblog.blog.de/ und im WahlBlog http://wahl09.blog.de/ des Nordkurier zur Diskussion gestellt.

    Allerdings gibt es bislang ausschließlich Reaktionen unserer politischen Alpha-Kommentatoren der großen Volksparteien ohne ein wirkliches inhaltliches Anknüpfen.

    Thema des CDU-Kandidaten: Das Foto!! Wie war noch die Überschrift: „Dies Land ist schwer erträglich“.

  2. Rainer Baumann

    21.09.2009 | 18:48

    Ja, liebe Jutta Ditfurth,
    aber was tun? Ungültig wählen? Amok laufen? In den Untergrund geh’n? Sich zurückziehen?
    Komisch, Sie sind langsam die einzige Geistesverwandte, die ich noch habe.
    Passen Sie auf sich auf.
    Grüße
    rb

  3. der olle pitter

    21.09.2009 | 19:18

    hallo jutta…

    schade das du … nach meínem empfinden … immer mehr ins überintellektuelle abwanderst …
    auch deine meinung …wird akzeptiert … aber ob die immer der wahrheit letzter schluss ist … stell ich hier mal zur diskussion

    bsp.:

    viele deutsche sind kulturhistorisch über viele generationen als untertanen sozialisiert worden (dein zitat aus dem interview mit dem nordkurier) … eine völlig unsinnige und durch nichts bewiesene behauptung …

    jeder mensch ist individuel und einzigartig…gene….fingerabdrücke..sehnsüchte..träume….lebenslinien
    ….erfahrungen….schicksal

    deine vision….wird daher visíonär bleiben…

    eine reale kapitalistische gesellschaft…kannst du schwerlich…durch eine sozialistische ersetzen….denn die wehrt sich….warum was neues…ich kann die leute verstehen….die sich….kleinbürgerlich (?) eingerichtet haben!

    viel spass beim rockkonzert heute abend

  4. Mirav

    21.09.2009 | 23:35

    Israel zuerst

    Also ich habe bei den Linken immer Sorge um Israel. Wie Henryk Broder sagt, wollen die Israels Kapitulation.

  5. Gebhard

    22.09.2009 | 09:20

    Deutschland ist ein eigenartiges, oft schwer erträgliches Land

    Diese, Ihre Aussage, ist wohl wahr. Mir, der jeweils die Hälfte seines Lebens in DDR und BRD verbracht hat, ist das “aus dem Herzen gesprochen”. In der DDR hatte ich schon das Gefühl zum Untertan erzogen worden zu sein. Allein durch mein Elternhaus und andere Umstände, gelang es mir, mir ein unabhängigeres Bewustsein anzueignen. Nach meiner Übersiedlung in die BRD vor fast 20 Jahren, war es für mich eine Ernüchterung vielfach auf geistige Unfreiheit und Bildungsdefizite bei Gesprächspartnern zu stoßen.

  6. Gebhard

    22.09.2009 | 10:04

    Israel zuerst

    Genauso wie Mirav, sorgt auch mich die Haltung der Linken zu Israel. Vorweg: Für mich ist das Existenzrecht Israels nicht verhandelbar. Als “Konkret”+”Jungle World”-Leser weiss ich, dass ich mit meiner Einstellung der “kritischen Solidarität mit Israel” in der Linken nicht allein bin. Aber, ich wäre schon zufrieden, wenn man mit weniger Emotionen über den jüdischen Staat diskutieren würde. Es fällt vielen jedoch schon schwer, zwischen Israel und “den Juden”(ein Ausdruck der, so undifferenziert artikuliert, zum “Haare ausraufen” ist) zu unterscheiden.
    Wenn ein Herr Blüm einem Herrn Friedmann sagt: “Sie müssen raus aus Palästina”, dann ist dieses Niveau nur schwer zu unterbieten.

  7. Gebhard

    22.09.2009 | 10:26

    Wahl-o-mat

    Im Grunde neige ich dazu, die Einstellung von Frau Ditfurth bezüglich der Wahl und der Teilnahme daran zu teilen.

    Nach 20Jahren der Stimmabgabe für SPD, Grüne und Linke (in dieser Reihenfolge) bin ich schon einigermassen frustriert.
    Trotzdem interessierte ich mich dafür, ob es eine politische Partei gibt, die ähnliche Positionen vertritt, wie ich.
    So probierte ich den “Wahl-o-mat” aus und musste feststellen, dass ich ein Grüner bin. Aber Spass bei Seite: Ich fürchte, dass viele Wahlinteressierte selbst bei richtigen Gebrauch dieser Web-site die falsche Wahlempfehlung erhalten. Ich selbst habe den “Test” dreimal hintereinander gemacht und teilweise grundverschiedene Ergebnisse erhalten. Bei flüchtigem Gebrauch und Unkenntnis der etwa 20 Parteien kann das Resultat schon verwirrend bis manipulativ sein.

  8. undine

    22.09.2009 | 10:36

    Ich finde es besser, die Linke zu wählen, auch wenn sie uns verraten wird, als ungültig zu wählen, was gar nichts bewirkt.

    Weil die Menschen damit zum Ausdruck bringen, dass sie ein SOZIALES System , das kann mE auch Marktwirtschaft sein(mit vernünftigen Antiheuschreckenregeln)

    Und dies wird durch die Wahl öffentlich. Es ist eine Demo-wir sind nicht allein- wie die Demo gegen Überwachung vor ca 10 Tagen mit Lt. Tageschau 10 000 Leuten ( dann dürfte es mind. das doppelte gewesen sein).

    Die Zombies in der Regierung und dem MI Komplex interessiert dies nicht. Aber die Menschen haben es gesehen und das hat bestärkt.

    Ich trau den Linken auch nicht über den Weg, aber sie geben uns vielleicht noch mehr Zeit die Menschen über die Gehirnwäsche an Ihnen aufzuklären etc.

    Bei dem, was die bisher “Regierung” gemacht hat, kann ich mir inzwischen auch jedwede Wahlfälschung vorstellen. Wahrscheinlich stimmt es wirklich, dass wahlen verboten wären, würden sie etwas ändern.

    Also müssen wir die Reichen und Mächtigen davon überzeugen, dass sie etwas am gegebenen Zustand verlieren*lach+

    Alles Gute

  9. undine

    22.09.2009 | 10:53

    Noch was zu Israel.

    Für mich ist es auch nicht verhandelbar, dass es Israel gibt.

    Was mich bei manchen Linken sorgt, ist diese feige Gutgläubigkeit gegenüber Scharia & Co.

    Und dass sie Israel oft kein Sicherheitsbedürfnis zugestehen wollen.

    Diese Chuzpe Israels konstruktive Kritik als Antisemitismus abzubügeln, ist allerdings genauso unangebracht, wie Muslimkritik mit der Nazikeule zu erschlagen.

    Dort wo auf beiden Seiten Menschenrechtsverletzungen, überzogene reaktionen und eine Der-hat-aber-angefangen/Schuld - Mentalität herrscht, dreht sich alles nur destruktiv im Kreise.

    Im Übrigen betrifft diese Keulen auch die kritischen Fragen zur Geschichte. Weil ich nämlich das Gefühl habe, dass ähnliche Strukturen die Welt gerade wieder in Krieg und Unfreiheit stürzen wollen. Deshalb muss man sie thematisieren und hinterfragen können. Seit 911 glaub ich keiner offiziellen Seite mehr 30% ihrer Aussagenund .Die inoffiziellen Blogs müssen auch noch Ausgewogenheit lernen.

    Und glaubt mir, auch wenn ich mich ärgere ,
    will ich dass niemand an Rache denkt. ich will das es aufhört. ich will Freiheit und Gerechtigkeit auf der Welt.

    Misstände erkennen, beseitigen und neu anfangen.

  10. Josie Michel-Brüning

    22.09.2009 | 12:08

    Danke an alle! So offener Austausch von Information und Meinung tut gut!
    Mein Senf dazu wäre: Unser Parteiensystem ist ohnehin zutiefst undemokratisch. Es verführt zu oberflächlichem Lobbyismus und ermöglicht es den eigentlich Herrschenden uns von einander zu trennen und uns um so besser zu beherrschen.
    Die Basis der Parteien wird mit fadenscheinigen Argumenten abgespeist, Aufklärung vermieden.
    “Divide et impera!” sagten schon die alten Römer und “Brot und Spiele” für das Volk. Da war das Austragungsfeld für solche Ideen noch begrenzt.
    Ernst Bloch sagte: “Not lehrt denken.”
    Mittlerweile geht es doch um die Frage: “Hat die Spezies Mensch überhaupt eine Chance zu überleben?”
    Solange wir uns nicht persönlich betroffen fühlen, scheinen eigentlich gesellschaftlich nützliche nationale Verfassungen, ja international getroffene Vereinbarungen und Gesetze nach vorangegangenen schweren Katastrophen wie dem II. Weltkrieg umgangen werden zu können und nicht einklagbar zu sein, wenn es der Kapital- und Prestigevermehrung Weniger nützt.
    Es sind Personen mit bestimmten Gesichtern, die Täter und die Opfer, die sich hinter der “Demokratie” verstecken oder versteckt werden.
    Und auch wir sind Personen, die entweder als geschmierte Räder oder als Sand im Getriebe wirken können - gemeinsam vielleicht als Bollwerk.

  11. Josie Michel-Brüning

    22.09.2009 | 12:48

    Äh, und ich wollte noch hinzufügen: Es sind konkrete Details, von denen hier wichtige genannt wurden, die uns den “Braten riechen” lassen.
    Für mich ist es der Fall der “Cuban Five”, die den Revanchismus und verkappten Faschismus der U.S.-Systemfunktionäre, die von unserer Regierung als “Rechtsstaatsvertreter verteidigt werden, sichtbar machen, siehe: http://www.miami5.de.
    Oder wie der heutige Faschismus, auch in der Rede von Dr. Klaus Piel am 13.09.09, s. http://www.cubafreundschaft.de/Antifa/Antifa.html – dort oben rechts, sichtbar gemacht wurde.

  12. Jörg

    22.09.2009 | 12:58

    Ich kann Ihre Argumentation gegen die Linke gut nach vollziehen aber ich glaube nicht, dass Ihre Antwort die richtige ist. Die Linke verliert immer dann ihren Zauber, wenn sie in Regierungen eingebunden wird. Es ist auch immer wieder ein Beweis dafür, dass sich dieses System nicht reformieren läßt. Es dient den Interessen des Kapitals. Wenn man dagegen etwas tun will, müsste man das System aus den Angeln heben. Die Geschichte zeigt es: ob Gewerkschaften, SPD, Grüne, Linke, sie verändern nur wenig am System aber das System verändert sie. Trotzdem: Brauchen wir nicht eine linke Stimme im Bundestag? Ist es nicht richtiger der Linken von links Druck zu machen? Schaffen wir es links ökologische Positionen unabhängig vom bisherigen Parteiensystem gesellschaftlich mehrheitsfähig zu machen? An diesem Versuch würde ich mitgestalten. Augenblicklich gebe ich der Partei meine Stimme, die für mich die soialsten Positionen vertritt - auch wenn die nicht wirklich sozialistisch sind.

  13. Tlaxcala

    23.09.2009 | 15:36

    « Ce pays est dur à supporter » - Interview de Jutta Ditfurth par Matthias Wolf

    Die französische Fassung dieses Interviews ist hier zu lesen/La version française de cette interview peut être lue ici :http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=8778&lg=fr

  14. Andreas Zech

    23.09.2009 | 23:33

    Attac Frechen

    Gäbe es Jutta Dittfurth nicht, müßte sie erfunden werden.

    Zeit des Zorns ist ein Buch, dass einem demokratischen Bürger die Tränen aus den Augen fließen läßt. G8-Gipfel, in Italien und zuletzt in Deutschland mit unsäglicher, brutaler Gewalt. Von demokratsichen Parteien legitimiert.

    Trotzdem gehe ich wählen, denn ungültig wählen gibt denen weiterhin Staatsgeld in die Parteikasse. Allein deswegen lohnt es sich andere, kleinere wie bsp. die Piratenpartei zu wählen.

    In diesem Punkt, stimme ich nicht mit Jutta überrein, wenn es auch sonst es sehr viele Übereinstimmungen gibt.

    Die kleinere Alternative zum Buch ist http://www.NachDenkSeiten.de von Albrecht Müller und Wolfgang Lieb.

    Zu sehen, was unser Journalismus heute noch wert ist, ist mindestens genauso traurig.

  15. Sommerfeld

    24.09.2009 | 10:04

    Das bewußtsein der Arbeiterklasse

    Leider haben Sie vergessen Frau Ditfurth, dass sich z. B. viele Männer sehr genau mit dem Rechtssystem der BRD und dem Kapitalismus auseinandergesetzt haben. Dem Letzten, weil sie in der DDR aufgewachsen sind und dann im Erwachsenenalter sehr schnell sehen konnten, wie nahe der Staatsbürgerkundeunterricht der DDR an der Wirklichkeit dran war und zum ersten weil man bei Trennungen als Mann und Vater sehr genau sehen kann wie insbesondere weibliche Familienrichter das Recht beugen. Frauen, die bei Lebensproblemen eher die Ursache bei ihrem Mann als im Kapitalismus sehen sind mit dem bürgerlichen Familienrecht natürlich ganz klar einverstanden. Mit Hilfe des sogenannten Kindeswohlbegriffs wird des Wohl der ehemaligen Ehefrau geregelt. Der Mann kann zahlen und trotz Zahlung von Kindesunterhalt oft noch nicht mal sein Kind sehen. Richtig ist, dass diesen Sachverhalt auch die Linkspartei nicht begriffen hat. Ihre Gruppe ÖkoLinx hat aber noch weniger Rückhalt in der Bevölkerung als die sogenannte “Linkspartei”. Von anderen linken Gruppierung (z. B. Marxistisch Leninistische Arbeiterpartei -> MLPD) ganz zu Schweigen. Praktisch reden Sie nur (bezeichne ich auch als Sabbeln), können aber nichts ändern. Ich kenne das noch von meiner Mutter. Sie konnte sich stundenlang über Ungerechtigkeiten des Lebens auslassen ohne auch nur das geringste zu verändern, als eben besser mal 10 Minuten nach einer vernünftigen Lösung zu suchen und dann konsequent danach zu handeln. Nein, sie fand auch an meinem parkinsonkranken Vater immer noch etwas, was zu kritisieren war. Ich glaube Sie sind als Frau bei Ihrer Entwicklung mit rund 20 - 22 Jahren stehen geblieben. Auch für mich ist die Links-Partei nicht die Erfüllung aller Träume. Nur Sie werden mit Sicherheit in diesem Leben nichts an den bestehenden Unrechtsverhältnissen in diesem Land ändern, da bin ich ganz sicher. Ihr Handeln und Reden ist in diesem Land in keiner Weise mehrheitsfähig. Sie bekommen Bundesweit nicht mal 1 %. Das heißt, es wird entweder für immer beim Reden bleiben, oder sie streben so was Ähnliches wie eine Stalinistische Diktatur an, die sie natürlich auch nicht durchsetzen können.

    Jede Harz-4-Frau, die Kinder hat, hat in diesem Land auch das Recht für den materiellen Unterhalt den Staat und erst recht den “Erzeuger” verantwortlich zu machen. Es gibt nur wenig Frauen, die nach einer Trennung z. B. damit einverstanden sind, dass z. B. bei zwei Kindern ein Kind zum Vater geht und damit jeder gleichberechtigt und gesichtswahrend sein weiteres Leben gestalten kann. Nein, Frauen sorgen dafür, dass Männer als die wichtigsten Ausbeutungsobjekte dem Staat auch erhalten bleiben als solche, oder eben als arbeitsscheue Subjekte gebrandmarkt werden können. Ein alleinerziehender Vater kann schließlich schon eher mal sagen, “tut mir leid, dass geht leider mit dem länger arbeiten nicht, ich muss ein Kind versorgen”.

    Das der Kapitalismus schlecht ist, ist eine sehr banale Erkenntnis. Aber er hat sich immer wieder durchgesetzt. Es braucht da wirklich intelligenter Lösungen als ihre Beiträge. Denn Menschen wollen sich auch wirklich etwas erarbeiten über dass sie dann auch verfügen können und nicht ein Leben lang Verfügungsmasse von anderen sein wie z. B. unmündige Kinder von Eltern, die letztendlich schon deshalb immer ihre Meinung durchsetzen konnten, weil sie einfach als Eltern die Macht, das Recht und die materiellen Rescourcen dazu hatten. Grade die perversesten Faschisten sollen dagegen hier und da sehr nette fürsorgliche Eltern gewesen sein, jedenfalls so lange wie die Kinder nicht nach ganz bestimmten Hintergründen des Lebens ihrer Eltern gefragt haben. Erwachsene Menschen brauchen nach einem arbeitsreichen Leben auch Eigentum und Besitzstände, damit sie keine Verfügungsmasse von jungen dynamischen Idealisten oder sonstigen Leuten werden, die in keiner Weise bereit sind für ihr eigenes Handeln und Tun die entsprechende Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

    Schon Stalin hatte begriffen, dass man nicht gleich die ganze Welt belehren kann. Denn jeder Mensch denkt irgendwie, dass gerade seine Gedankengänge die besten und vernünftigsten sind. Früher endete dass ganz einfach in Kriegen (heute hier und da auch noch -> die Welt wird eventuell sang und klanglos im nächsten Nuklearkrieg untergehen, diese Möglichkeit besteht natürlich, nur Sie Frau Ditfurth sollten überdenken ob Sie wirklich die richtigen Ansätze gefunden haben. Alleine werden Sie den Atomkrieg nicht verhindern, wenn die Mehrheit der Weltbevölkerung nicht bereit ist etwas dagegen zu unternehmen). Nach dem Krieg hatte dann zwangsläufig erstmal der stärke Recht, denn er hatte einfach die Macht und die Waffen seine Ansichten auf die Dinge auch durchzusetzen.

    Wer etwas verändern will muss also einen Weg finden Menschen seine Ideen so nahe zu bringen, dass sie dazu stehen. Wenn das nicht passiert ist gibt es aber auch die Möglichkeit, dass die Idee in der Praxis eventuell nicht realisierbar ist. Das heißt, es kann sein, dass die Idee (Plan, Konstruktion usw) weit weg ist von der Realität. In der Physik, in der Chemie kann man das in den meisten Fällen durch Experimente sehr schnell beweisen und die falschen Ideen Modelle usw. verwerfen. Im Bereich der Gesellschaftswissenschaften funktioniert das so nicht.

    Der bösen Stalinisten der Sowjetunion haben nicht durch Schönreden den 2. Weltkrieg gegen die faschistische Wehrmacht gewonnen, sondern sie habe gekämpft und sie hatten sich als Kämpfer gegen den Hitlerfaschismus selbst die Anerkennung irgendwie der USA und Großbritaniens geholt, so dass von dort eine sehr hohe Materielle Unterstützung bei den Russen eingetroffen ist. Denn Engländer und Amerikaner waren als kapitalistische Staaten schon vor dem 2. Weltkrieg nicht nur Antikommunisten sondern mit Sicherheit auch Antistalinisten.

    Wenn Sie also wirklich etwas verändern wollen, müssen sie in ihrem Alter wenigstens erstmal feststellen, dass Sie in dieser Bundesrepublik Deutschland nicht sehr viel geändert haben. Als sollte man in seinem Leben mal eine selbstkritische Bilanz ziehen und nachschauen in wie weit der eigene Lebensentwurf eventuell auch etwas mit Realitätsferne zu tun haben könnte.

    Ich persönlich bin als Nichtjude schon mal sehr froh das der Rechtsradikalismus in Deutschland keine Chance nach meiner Meinung mehr hat. Das man da hier und da auch noch vieles Verbessern muss, dass es besser wäre wenn die NPD verboten wäre usw. ist mir klar.

    Den Kapitalismus kann man nur überwinden in dem man mit Leute findet, die jeden Tag bereit sind alternativ ihren Lebensunterhalt zu verdienen ohne sich bei einem Kapitalisten zu verdingen. Dazu brauchte es aber mindesten Grund und Boden um möglichst die Notwendigsten Lebensmitter anzubauen und eben dass absolute Eigentums recht an diesem Land. Und das es nur noch friedlich geht sollte auch klar sein. Denn Lenin machte seine Revolution mit Hilfe der Deutschen (hoher Deutscher Diplomaten und Militärs -> siehe z. B. Bücher von Sebastian Haffner) am Ende eines Weltkrieges!

    Inzwischen habe ich aber auch den Eindruck, dass hier der Verfassungsschutz eventuell mithört um mal zu sehen welche verkorgsten Existenzen auf Ihre Webseite antworten.

    So, wie jedenfalls in Ihrem bisherigen Leben gehandelt haben, haben Sie nach meiner Auffassung nichts geändert und werden sie auch nichts bzw. nur unbedeutend wenig ändern. Ihr Vater hat da mit seinen Büchern mehr erreicht. Ich habe viele davon gelesen.

    Mit freundlichem Gruß
    Heinrich Sommerfeld

  16. MeckPommer

    26.09.2009 | 12:12

    “Der bösen Stalinisten der Sowjetunion haben nicht durch Schönreden den 2. Weltkrieg gegen die faschistische Wehrmacht gewonnen, sondern sie habe gekämpft und sie hatten sich als Kämpfer gegen den Hitlerfaschismus selbst die Anerkennung irgendwie der USA und Großbritaniens geholt, so dass von dort eine sehr hohe Materielle Unterstützung bei den Russen eingetroffen ist. Denn Engländer und Amerikaner waren als kapitalistische Staaten schon vor dem 2. Weltkrieg nicht nur Antikommunisten sondern mit Sicherheit auch Antistalinisten.”

    Sehr geehrter Herr Sommerfeld,
    nachdem ich inzwischen gelernt habe (Jahrgang 1968), dass man in der Schule vieles nur einseitig lernt, bin ich auch auf den einen oder anderen Text zu den Hintergründen des II. Weltkriegs gestossen.
    Und danach waren die großen Verluste der Sowjetunion genau das Ziel der westlichen Allierten. Man könnte sogar sagen, dass sie sich den tollwütigen Hund Hitler genau zu diesem Zweck herangezogen haben.

    Man beachte (Ende März ‘45) ca. 170 Divisionen an der Ostfront gegen ca. 26 Divionen an der Westfront.
    Verbrannte Erde im Osten, nichts dergleichen im Westen (Paris blieb praktisch vollkommen unzerstört). Die erfolgreiche Landung in der Normandie war viel Glück zu verdanken.
    Trotz Beistandspakt von Frankreich und England wurde Polen im September 1939 allein gelassen (Sitzkrieg bzw. “La guerre drole”).
    http://www.monde-diplomatique.de/pm/2005/04/15.mondeText.artikel,a0038.idx,14

    Aufgrund der Bücher von Alice Miller und aufgrund eigener Erfahrungen ist für mich klar:
    Je mehr Gewalt Kinder in ihrer Kindheit erfahren und je weniger Liebe sie auch von außen bekommen, desto brutaler und grausamer werden sie selber.
    Hitler wurde von seinem Vater massiv verprügelt, genauso wie Stalin und Pol Pot viel Gewalt in ihrer Kindheit erlebten. (s. “Am Anfang war Erziehung”, von Alice Miller).

    D.h. für eine bessere Welt brauchen wir weniger Gewalt und dafür umso mehr Liebe. Wir bräuchten keine Rüstungsfirmen, wenn genügend Alternativen für den Broterwerb existieren würden, aber diese Alternativen werden von den jeweils Herrschenden bewußt oder im Auftrag kaputt gemacht.
    Im Moment sind gerade die kleinen Milchbauern dran.

    Den Spruch eines schweizer Autors finde ich gut zur Zeit passend:
    Wo kommen wir hin, wenn alle sagen “Wo kämen wird da hin?” und keiner ginge, um zu schauen
    wohin man käme, wenn man ginge.