> Jutta Ditfurth
»Durchgeknallt: Claudia Roth und ihre grüne Partei der Besserverdienenden«
Claudia Roth, Bundesvorsitzende der Grünen, sagte: »Die Grünen und grünes Klientel sind die am besten ausgebildeten Menschen, die den höchsten Bildungsstand haben und dann ist es auch logisch, dass sie mit so ‘ner Voraussetzung auch gute Jobs kriegen.« Hajo Schumacher, Moderator der N24-Talkrunde »Links-Rechts« (12.5.2009) hatte sie gefragt, ob die Grünen nicht die Partei der Besserverdienenden sind. Sie hätte einfach nur ja sagen müssen. Die grüne Parteivorsitzende ist der Meinung: wer arbeitslos ist, hat einfach nur eine zu schlechte Bildung.
Auf die Frage, ob sie nachvollziehen kann, dass es Leute gibt, die sich keine Bio-Lebensmittel leisten können, erwidert sie, sie kenne auch Arbeitslose, »Leute, die manchmal wirklich nicht wissen, wie sie an Monatsmitte noch bis zum Ende kommen…«. Co-Moderator Tiedje: »Die können sich dann doch nie Bio leisten?« »Aber die können sich dann auch nix anderes leisten«, antwortete Roth kalt.
Und weiter: »Wenn Du nicht gut isst, wird es auf Dauer Dir zu stehen bekommen …« [Schreibweise nach O-Ton; J.D.]. Also am besten auf hohem ökologischen Niveau verhungern.
Klar ist, dass die Wahl der Grünen arme Leute teuer zu stehen kommt. Dass die Politik ihrer grünen Partei in der SPD/Grüne-Regierung (1998-2005) dafür gesorgt hat, dass noch mehr Menschen arm werden und, auch wenn sie gut gebildet sind, keine gut bezahlten Jobs kriegen (und ihre Kinder später zum großen Teil auch nicht) und dass sich noch mehr Menschen leider keine ökologischen Nahrungsmittel leisten können, davon sagt sie nichts.
Claudia Roth verrät auch nicht, dass sie ihre gut bezahlte Karriere nicht dank »höchster Bildung« begann, sondern weil die grüne Bundestagsfraktion 1985 eine Pressesprecherin brauchte, am besten eine harmlose, strömungsübergreifende Person. Roth gab sich damals irgendwie links und einige EntscheidungsträgerInnen waren davon beeindruckt, dass sie mal Ton, Steine, Scherben gemanagt hat.
Wir wissen wie es wirklich war: die Scherben haben ihrer nervigen Mitarbeiterin eines Tages die Stellenanzeige der Grünen hingelegt und waren erleichtert, als die damals noch deutlich linkeren Grünen so töricht waren, diese Frau einzustellen.
Die wichtigsten Gründe, warum kritische, sozial denkende, ökologische, humanistische Menschen die Grünen nicht wählen können: Krieg gegen Jugoslawien (1999), Krieg in Afghanistan (2001), Pro-Atom-Konsens (2002), Agenda 2010 und Hartz IV (2003-2005) und die seit Anfang der 1990er andauernde Zustimmung zum Kapitalismus.
Es gibt hundert Gründe, die Grünen nicht zu wählen, Claudia Roth ist nur einer.
P.S.: Übrigens: Frau Roth ist die Vertreterin des »linken« Flügels der Grünen.
Claudia Roth O-Ton:
Ausschnitt: http://www.youtube.com/watch?v=JXETKZCd6fw
Ganze Sendung:
http://mediencenter.n24.de/?deepLink=screen/listScreen/search/links-rechts
Hinweise:
Zur Weltwirtschaftskrise und aktueller Politik: Jutta Ditfurth Zeit des Zorns. Streitschrift für eine gerechte Gesellschaft. München: Droemer Verlag 2009, 272 S., 16,95 Euro
Der ungekürzte und unveränderte Blog-Text darf unter folgenden Auflagen nachgedruckt werden:
1. Direktlink zu: http://blog.prinz.de/wahl09/
2. Direktlink zu: www.jutta-ditfurth.de





Andy
22.09.2009 | 20:00
Danke für den Hinweise zu Claudia Roth.
Für mich ist sie einfach die Ochsenfröschin, immer gerne Objektive ausfüllend, die Ärmste.
Und auch immer nochmehr betroffen vom Weltgeschehen in die Kameras äugend als all die NachrichtenBlondinen im zdf usw..-
Dann noch diese dauerempörte Moralin- Stimme..
Igitt! Aber allemal gut für den Bionade- Biedermeier um den Kollwitzplatz hier in Berlin..
gerhard
22.09.2009 | 20:30
claudia roth
Claudia Roth ist keine ernstzunehmende Politikerin, sondern seit eh und je eine Karrikatur ihrer selbst. Politik ist für sie Entertainment und ich kenne keine Politkerin, keinen Politiker, der so unauthentisch lachen kann, wie sie. Dass eine solche selbstgefällige Figur die Spitze der Grünen repräsentiert, beweist, wie heruntergekommen diese Partei ist. Dagegen ist ein Typ wie Christian Ströbele neben dieser Frau so deplaziert in den Grünen, wie Ulla Jelpke (ehemals Hamburger GAL)neben Gregor Gysi bei den Linken.
Es bedarf auch keiner großen Menschenkenntnis, um an der Körpersprache und der Mimik von Frau Roth abzulesen, dass
ihre politischen Inhalte von Anfang an nicht von Leidenschaft, Übrzeugung und Idealismus getragen wurden.
Auf Youtube sind einige Filmchen über Frau R. zu sehen, die die Lächerlichkeit dieses Möchtgernshowtalents dokumentieren.
Reinhard HELMERS
22.09.2009 | 20:41
Hochschullehrer a.D.
Die Dramaturgin Claudia Roth hab ich erstmals im Brüsseler EU-Parlament erlebt, als sie für die Grünen die Zustimmung zur euro-Einführung erklärte. Seitdem hat sie wiederholt in der Fußspur des Frankfurter Molly-Werfers Fischer die Unterstützung der Angriffskriege gegen Jugoslawien und Afghanistan durch die Grünen verkündet. “Linke” Grüne ???
donald gärtner
22.09.2009 | 23:22
frau roth ist eine wirklich sympathische frau, und es tut fast weh ihr weh zu tun, wenn man über sie urteilen muss.
aber reicht es in der politik aus sympathisch zu sein, wenn man auf der anderen seite krieg und desolate atompolitik mit folgen auf jahrzehntausende und zerschlagung des sozialstaates unterschreibt und ein system, das immer mehr verarmen lässt?
frjo
23.09.2009 | 05:23
Es war einmal
eine Partei, die ganz anders war (sein wollte) !
Erinnere ich mich da so falsch?
Die Abgeordneten erhielten das Durchschnittsgehalt der Deutschen (der Rest der Diäten ging in die Parteikasse)
Starkult für Politiker wurde im Keim erstickt, eine max. “Laufzeit” wurde festgelegt. (War es nicht eine halbe Legislaturperiode?)
Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute?
gerhard
23.09.2009 | 07:43
claudia roth
Hier wurde mein Kommentar von gestern ohne Begründung gelöscht, obwohl er weder rassistisch, sexistisch oder persönlich beleidigend war.
Liebe Jutta! wie lieb darf/muss ich denn hier schreiben, ohne der willkürlichen Zensur anheim zu fallen?
Josie Michel-Brüning
23.09.2009 | 11:45
Im Anschluss an Claudia Roths o.g. Behauptung, dass es logisch sei, dass die Leute mit dem höchsten Bildungsstand auch “mit so ‘ner Voraussetzung auch gute Jobs kriegen.«, kann ich aus eigener Erfahrung widerlegen.
Ich habe eine abgeschlossene akademische Ausbildung in Erziehungswissenschaften, II. Staatsexamen u. abgeschlossene Ausbildung als Lehrerin für Grund- und Hauptschule, Ausbildung als systemische Familientherapeutin sowie eine in systemisch hypnotherapeutischen Konzepten, für Kinder und Jugendliche und diversen allgemeinen Entspannungsmethoden.
Wegen eines Umzugs in einen anderen Regierungsbezirk verlor ich zuerst mein Anrecht auf den Beruf der Lehrerin (noch im Angestelltenverhältnis), machte die oben erwähnten Fortbildungen, fand zwar “Praktikantinnen-” aber keine bezahlte Arbeitsplätze, machte 1990 eine eigene Praxis auf, die ich auf Grund der 1998 durchgesetzten “Gesundheitsreform” - 2001 schließen musste. Dieses Schicksal teilte ich mit mindestens 2000 KollegInnen im Regierungsbezirk Köln. Unsere Klienten hätten in Zukunft die Kosten für unsere Behandlung/Beratung selbst ganz übernehmen müssen, das konnten sie leider nicht und viele wie ich konnten daraufhin ihre Miete nicht mehr bezahlen.
Cladia Roth polemisiert aber gleichzeitig trendgemäß gegen Länder wie Kuba, das laut Belegen seitens der UNESCO ein vergleichsweise vorzügliches Gesundheits- und Bildungssystem hat, in anderen Ländern entsprechende Entwicklungshilfe leistet und es sich nicht leisten würde, Leute mit meiner Ausbildung arbeitslos sein zu lassen.
Dazu noch ein Zitat aus der Abschiedsrede des scheidenden Präsidenten der UNO Miguel d’Escoto Brockmann:
“Wir hätten uns auch gern grundsätzlicher mit dem sogenannten Krieg gegen den Terror befaßt. Hervorstechend ist hierbei der weltweit verurteilte Fall der fünf kubanischen Helden, die zu Unrecht und aus reiner Willkür nunmehr seit genau elf Jahren und zwei Tagen in Haft gehalten werden und zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt sind, weil sie Licht in Terrorstrukturen in Miami gebracht haben, von denen aus Aktionen gegen die heroische und allzeit hilfsbereite Republik Kuba durchgeführt wurden. Abgesehen von der Tatsache, daß die Informationen den Behörden unseres Gastlandes, die fortlaufend vorgaben, von diesem Fall keine Kenntnis zu haben, ordnungsgemäß zugestellt wurden, war die einzige Antwort, sie einzusperren. Es bleibt zu hoffen, daß mit dem vielgepriesenen Wandel und den angekündigten Korrekturen der Politik seitens der neuen Regierung des Gastlandes auch eine Korrektur dieser Fehlurteile vorgenommen wird, durch die fünf Familien großes Leid geschieht und dem Ansehen der Vereinigten Staaten großer Schaden zugefügt wurde, was der neue Präsident aber wieder ändern will.” s. jw vom 21.09.09
Jutta Ditfurth
23.09.2009 | 12:31
Zu Gerhard
Zu »Gerhard«: Du schreibst: »Hier wurde mein Kommentar von gestern ohne Begründung gelöscht, obwohl er weder rassistisch, sexistisch oder persönlich beleidigend war. Liebe Jutta! wie lieb darf/muss ich denn hier schreiben, ohne der willkürlichen Zensur anheim zu fallen?«
Es wurde NICHTS von Dir gelöscht! Vielleicht hast Du es nicht richtig abgeschickt? »Lieb« musst Du gar nicht sein. Also, versuch’s nochmal!
Wir streichen nur Kommentare, die Nazi-Dreck sind, rassistisch sind, sexistisch oder im rechtlichen Sinn Schmähkritik. Das ist bisher nur einmal unter fast 120 Kommentaren insgesamt vorgekommen. Ansonsten geht alles so raus, wie es kommt. Ich bin nur manchmal so »lieb« und korrigiere hie und da einen Tippfehler… Manchmal!
Kriegsgegner
23.09.2009 | 14:21
Das Interview haut doch wesentlich mehr rein:
http://www.youtube.com/watch?v=wts6gLuqA8o
Claudia Roth ist reif zum abwracken!!!
frjo
23.09.2009 | 14:37
"höchster Bildungsstand" garantiert Arbeitsstelle???
Wie wirklichkeitsfremd doch unsere Politiker sind!
Da war doch, es ist vielleicht 3 Jahre her, in einer dieser politischen Sendungen vom ARD eine Top-Ärztin, der von einer ARGE eine Stelle als Hilfskraft in einer Küche angeboten wurde.
Dann eine Veranstaltung vom VDI, an der ich teilnahm:
Titel sinngemäß “Bewerbung für erfahrene (also ältere) Ingenieure”
Die Teilnehmer waren ebenfalls alle fit, aber arbeitlos!
Dann eine Anzeige in unserer Tageszeitung (sinngemäß):
Gesucht wird ein Dipl.-Ing. Maschinenbau von 20 bis 30
Die 20 bis 30 sind wörtlich.
Der Inserent war genauso wirklichkeitsfremd wie unsere Politiker, ein Ing.-studium dauert 6, Bundeswehr bzw. Ersatzdienst 1, Abi 13 Jahre.
Er sollte sich bei den Parteien bewerben!
Rainer Kranzusch
23.09.2009 | 17:42
Claudia Roth's NEUE GRÜNE
Sie verkörpert “Neue Grüne”,die nichts mehr
merken.Klientelen wie die vom “Prenzlauer Berg” Indifferente,wohlhabendere ‘Gutmenschen’;die hauptsächlich in besseren Stadtteilen unserer ‘Metropolen’ ihre situierte Ruhe hätten.
30 bis 40jährige.Neureiche ÖKOpeople - die sogenannten ‘Cappuchino-Mütter’,die sauer werden,wenn ihre Kinderwagen die Betreiber ihrer Eckcafe’s nerven.Diese egofixiert-Bequemen verkörpert Claudia gekonnt in Aufmachung + Klamotten.Das ist ihre Rolle.
Daß sie ständig zuviel darüber redet,wovon sie nichts versteht,spricht für sich.
Tlaxcala
23.09.2009 | 22:39
Complètement à la masse : Claudia Roth et son parti Vert des gros gagneurs
Die französische Fassung dieses Beitrags ist hier zu lesen/On peut lire a version française de cet article ici : http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=8782&lg=fr
Michèle
24.09.2009 | 10:36
In Sachen Kapitalismus
Liebe Jutta,
es ist mir immer eine Freude, Deine erfrischenden Texte zu übersetzen; denn auch bei uns [in Frankreich] ist m.E. sehr wenig in Gang.
Jedoch: Gegen den Kapitalismus ankämpfen und wenn’s geht, zu Grunde zu richten, ist, wie wir Achtundsechziger mal skandiert haben “nur ein Anfang”, aber ein gefährlicher für unsere kleinen Angewohnheiten. Mit “wir” meine ich die “linke Linke,” wie es z.Z. in den frz. Mediein heisst.
Denn mehr Gerechtigkeit erfordet einen totalen Wandel in unserer stark, wenn nicht total US-amerikanisierten Lebensweise. Weniger reisen bzw. uns weniger (motor)bewegen, weniger essen, weniger Klamotten, weniger Drogen, darunter zähle ich die meisten Medikamente, kann als Französin ein Lied davon pfeifen, und dass die mit “höchstem Bildungsniveau” nicht unbedingt “besser bezahlte Jobs kriegen”, mit der Gefahr, zum Schrott zu gelangen wenn sie mal krank oder einfach alt und folglich nicht mehrso ganz leistungsfähig geworden sind. (Unsere allerliebste Regierung ist dabei, per Gesetz eine Besteureung der Kassenbeiträge an Opfer von Arbeitsunfällen einzuführen). Und dass wir nicht dauernd auf alberne TV-Serien gucken. Was damit einher geht, dass unsere Weltanschauung (das frz. “imaginaire” passt mir da besser, aber Sprachen decken sich nun einmal nicht exakt) eine ganz andere wird, und damit befasse bzw. beschäftige ich mich als Erzieherin (Mutter und Pädagogin) nun seit mehr als 40 Jahren und bin nur zum dummen Schluss gekommen, dass selber anders leben zwar beim Nachdenken nicht ausreichend ist, aber doch am Wirksamsten und vor allem beim Nachdenken unersetzlich. Und das Korollar: dass wir unbedingt wissen müssen, wie die mit nicht so ganz hohem Bildungsniveau und vor allem nicht so fettem Bankkonto, denn es hängt ja auch meist zusammen, wenn unser lieber Präsident da ein eklatantes Gegenbeispiel liefert, und sehr viele arbeitslose AkademikerInnen ein weniger eklatantes, dafür aber nun sehr verbreitetes.
Herzlich und viel Mut bei Eurer ziemlich hoffnungslosen Wahlkampagne (schau ich mir bei Arte an).
Michèle
Jutta Ditfurth
24.09.2009 | 13:20
Zum Kommentar von »Kriegsgegner«
Stimmt. Dieser Film über Claudia Roth zum Thema Überwachungsstaat und »Anti-Terror-Gesetze« ist wirklich interessant.
http://www.youtube.com/watch?v=wts6gLuqA8o
Man muss sich die WählerInnen der Grünen genau so vorstellen, irgendwas zwischen »Staatsschutz« und BMW/Nabucco.
Doris K.
25.09.2009 | 03:13
Ich wähle die Grünen im Leben nicht mehr! Ich glaube außerdem, immer mehr treten dieser Partei nur bei, weil sie wissen, dass dort jeder jeden Blödsinn reden kann und mit Glück auch noch aufsteigt in der Neubonzenpartei.
Hans See
25.09.2009 | 09:18
BCC-Vorsitzender
Liebe Jutta,
es werden nur potentielle Linkswähler Deinem Rat folgen, meinst Du nicht, dass das den Neonazis höhere Prozentanteile bringt und damit zum Abbau der Schwelle beiträgt, künftig noch weiter rechts und aufrechte Rechte zu wählen? Die Sowieso-Nichtwähler bestärkst Du damit indirekt. Sie machen nicht einmal das Kreuz quer über den Wahlzettel. Deine adligen Vorfahren (von Gottes Gnaden), von denen Du doch nichts mehr wissen willst, wollten das Wahlrecht noch verhindern. Willst Du es wieder abschaffen? Warum hast Du nicht Deine eigene Partei gegeründet? Oder willst Du, dass künftig die Ackermänner direkt regieren? Indirekt tun sie es heute schon, das gebe ich Dir recht. Ich behaute, dass Wahlen etwas ändern können, seit ihre weltweite Zwangseinführung auf der Agenda des Ultra-Imperialisten steht. Das siehst Du allein schon daran, dass Du noch unbehelligt zur Wahlverweigerung aufrufen kannst. Wer - wie ich - die Zeiten noch erlebt hat, in denen die “Vorsehung” dem Volk einen Führer geschenkt hatte, der es erretet, kann Deine Kampagne nicht unterstützen. Auch Deinen Aufruf nicht unwidersprochen lassen. Und wie ich Dich kenne, wärst Du unter den Ersten, die das Wahlrecht zurückfordern, wenn es Ihnen morgen von der NPD oder einem neuen Pol Pot genommen würde. Mitsamt den beschissenen Parteien. Deiner Analyse der Weltlage kann ich weitgehend zustimmen, nicht aber Deinen Schlussfolgerungen. Es ist richtig, dass der Kapitalismus auch ohne Wirtschaftskriminelle eine tödliche Gefahr für Mensch und Natur ist. Aber was fange ich mit dieser Wahrheit an, wenn ich sie endlich kapiert habe? Schaffe ich ihn einfach ab? Wer hilft mir dabei, von dem ich nicht schon vorher befürchten müsste, dass er mir sein System aufzwingen möchte, dass er mir die freie Wahl nicht lässt, für einen nicht mehr antikommunistischen demokratischen Sozialismus zu votieren und zu kämpfen. Das kann man mit der “Linken” derzeit noch. Ja mir ist selbst der verlogenste sozialdemokratische “Sozialismus” noch lieber als jede Form von ungebrochener Diktatur. Tut mir leid, dass Du das anders siehst. Ich fürchte, dass, wer zu weit nach links driftet, irgendwann rechts rauskommt. Das liegt wohl daran, dass die Erde rund ist. Für Dich mag das nicht zutreffen. Aber Du wirst zugeben müssen, dass diese Gefahr besteht. Und das ganze nur als “Spiel” aufzufassen, wäre dem Ernst der Lage, nicht angemessen.
Mit ansonsten solidarischen Grüßen
Hans See
gerhard
25.09.2009 | 15:25
claudia roth
Wer wissen möchte, was unter positivem Rassismus bzw. rassistischem Utilitarismus zu verstehen ist, schaue sich bitte dieses Video mit Claudia Roth an; (Kotztütchen immer schön bereithalten)
http://www.youtube.com/watch?v=UpAUQY4Wwlo
Ingeburg Peters
25.09.2009 | 17:43
bei mir im 2. stock ist es auch ende september immer noch ziemlich warm, möglicherweise auch aufgrund ungünstig verlegter warmwasserrohre, oder warum auch immer.
jedenfalls ging ich mittags mal kurz gassi mit hundi und treffe zwei bankberater meiner hausbank auf mittagspausenspaziergang, die etwas irritiert gucken, weil ich in latschen und ohne strümpfe draußen bin inmitten sonst schon eher herbstlich gekleideter menschen.
nun ist man durch schäuble und den immer weiter eskalierenden überwachungsstaat, dessen zulieferer im wahrsten sinne mordsmäßige gewinne wittern, schon so verunsichert, dass mir sofort meine kreditlinie einfiel, die ich zwar nicht nutze, aber natürlich dennoch behalten will.
automatisch ging mir durch den kopf, was die bankberater wohl angesichts meiner barfüßigkeit über mich dachten, obwohl die sonne schien und mir die temperatur durchaus angenehm war.
man ist überhaupt kein freier bürger mehr heutzutage, als frau war man es vielleicht noch nie.
allenthalben zu finden auch dies kapitalistische konkurrenzdenken, das korrumpiert.
ganz schlimm sind dabei die auswirkungen des sogenannten ratings, also einer beurteilung, bewertung einer sache oder eines vorgangs.
das rating verführt die ge-rateten zur anwendung von zweierlei maß.
wo sie keine beurteilung zu fürchten brauchen, lassen sie sich gehen, wo doch, heucheln sie zuvorkommenheit. beispielsweise im hotelwesen und in der reiseindustrie.
sogar die jobcenter-mitarbeiter werden geratet, und wer von ihnen zu wenig sanktioniert, findet sich bald auf der anderen seite des hartzIV-tresens wieder.
ganz zu schweigen von den teuren bank-rating-agenturen, die von kleinen geschäftleuten gar nicht bezahlt werden konnten, die aber während der finanz-krise gegen viel geld bei klienten günstig ge-ratet haben, gerade wo es ganz und gar nicht angebracht war.
das heißt doch unterm strich, wir sind mit der moral am ende, nun auch in deutschland und europa im gleichschritt marsch.
sogar die sklaverei ist nicht nur nie wirklich abgeschafft worden, sie erlebt derzeit eine ungeheure renaissance.
aus amerika kommend arbeitet das internationale neo-con-kapital an einer strikten zwei-klassen-gesellschaft: die da oben und die da unten.
ganz hautnah sieht man das in hannover am maschsee-südufer. dort hat ein konzern einen spa-klub eröffnet und dafür das ehemalige strandbad in hälften geteilt, die größere für den spa-klub mit dem schon lange zum wahrzeichen gewordenen steg mit rettungsschwimmertürmchen in den maschsee hinaus, für die restliche, gewöhnliche bevölkerung bleibt nur noch ein rasenstück am wasser.
auf dem spa-gelände sonnen sich nackig männlein und weiblein und zwischendrin gießt tapfer ein junger gärtner mit stilaugen die pflanzen. wirklich!
das erinnert mich an den film “swimmingpool” mit charlotte rampling.
aber dort ist der sklaverei-aspekt nicht nichtmal so ausgeprägt wie hier in unserer schönen neuen zwei-klassen-welt im spa am südufer, dem die arme stadtverwaltung praktisch den gesamten maschsee als panorama als zugabe gegeben hat.
du willst deine stadt, dein land, deinen kredit, deinen arbeitsplatz retten? gib alle ressourcen her. und geh niemals im herbst ohne strümpfe raus, wer weiß, zu welchem eintrag in welchem register das führen könnte.
Jutta Ditfurth
25.09.2009 | 23:53
Stalinistische Blüten – Antwort auf »Hans See«
Die Verteidigung der Interessen der Linkspartei treibt manchmal, so sehen wir es hier, auch Kalte-Kriegs-Blüten. Hans See ist Vorsitzender der Organisation »Business Crime Controll« (BCC). Sees »Argumentation« frei zu legen, genügt.
Er sagt:
1. Linke MÜSSEN Linkspartei wählen, weil sie sonst Nazis wählen.
2. Wagen Linke, etwas anderes zu wählen als die Linkspartei, fördern sie sogar die Bereitschaft, rechts zu wählen.
3. Jemand, der wie ich, aus einer adligen Familie kommt und dann wagt, Linke zu werden und dennoch aus guten Gründen die Linkspartei nicht wählen will, will in Wahrheit das Wahlrecht abschaffen. – Gilt das eigentlich auch für meine politischen FreundInnen, die aus proletarischen, kleinbürgerlichen oder Mittelschichtsfamilien kommen und die Linkspartei scharf kritisieren und gleichfalls aufrufen, diesmal ungültig zu wählen?
4. Wer nicht Linkspartei wählt, übergibt den Staat dem Kapital.
5. Hans See hat die Zeiten noch erlebt, »als die ‚Vorsehung’ dem Volk einen Führer geschenkt hatte« (was immer uns das sagen soll; Hans See war am Ende des Krieges etwa 11 Jahre alt), deshalb weiß er es besser.
6. See weiß genau, was ich tun würde, wenn die NPD die Macht übernehmen würde.
7. Der Kapitalismus vernichtet zwar Mensch und Natur, aber muss man ihn deswegen abschaffen?
8. Er zieht den »verlogensten sozialdemokratischen ‚Sozialismus’ … jeder Form von ungebrochener Diktatur« vor. »Ungebrochene Diktatur« herrscht, wenn eine Linke nicht Linkspartei wählt.
9. Wer die Linkspartei von links kritisiert ist rechts – weil die Erde rund ist.
Ist eine solche von jeder intellektuellen Anstrengung freie »Argumentation« nun eine Frage des Promille-Spiegels oder der undemokratische und chauvinistische Wutanfall eines autoritären Linkspartei-Verteidigers, der es nicht ertragen kann, dass eine Linke in einem Blog für »Ungültig wählen« plädiert?
Was sagt uns das für den Fall, dass seine Partei die Mehrheit hat?
Ute
26.09.2009 | 22:46
Es ist immerhin ein kleiner Trost, ausgerechnet am Vorabend dieses deprimierenden und beängstigend sterilen “Wahl”-Theaters Ihren Blog gefunden zu haben und Ihre herzerfrischende Stimme zu vernehmen.- Vielen Dank…
Jutta Ditfurth
26.09.2009 | 23:51
An »Ute«
Gern geschehen. Danke.
Zojek
28.09.2009 | 18:48
@hans see
Lieber Hans See,
das ist schon spitze, wie Sie argumentieren:
»es werden nur potentielle Linkswähler Deinem Rat folgen, meinst Du nicht, dass das den Neonazis höhere Prozentanteile bringt und damit zum Abbau der Schwelle beiträgt, künftig noch weiter rechts und aufrechte Rechte zu wählen?«
Das erledigt sich schon durch Empirie. Die Nichtwähler sind wesentlich stärker als die 12 Prozent der Linkswähler. Irgendwo habe ich gelesen, daß die Nichtwähler die stärkste politische Kraft geworden seien. Das ist zwar Quatsch, denn ein Unterlassen kann logisch keine Quelle gemeinsamen Tuns werden. Da gehört noch einiges mehr dazu. Aber genau deshalb ist Nichtwählen auch kein indirektes REchtswählen. Es ist vielmehr die staatlich eingeführte formelle Gleichheit aller Stimmen vor dem Wahlgesetz - ohne die Qualität ihrer Argumente zu überprüfen - , die zu derlei fragwürdiger Arithmetik führt. Aber nochmal: das ist eine von oben aufgemachte Gleichsetzung, und was Sie vorschlagen, ist einfach Unterwerfung unter dieses fragwürdige Prinzip. Bekanntlich ist Faschismus keine Meinung, sondern ein Verbrechen - es ist der Staat, der das anders sieht.
»Die Sowieso-Nichtwähler bestärkst Du damit indirekt. Sie machen nicht einmal das Kreuz quer über den Wahlzettel.«
Und machen sich wahrscheinlich auch nicht die Mühe, diesen politischen Blog durchzulesen. Denn wenn Sie sie als Unpolitische unterstellen, dann brauchen sie nicht die Bestärkung durch Jutta Ditfurth.
»Deine adligen Vorfahren (von Gottes Gnaden), von denen Du doch nichts mehr wissen willst, wollten das Wahlrecht noch verhindern. Willst Du es wieder abschaffen? «
Was ist denn das nun wieder für Unsinn? Entweder akzeptieren Sie, daß J.D. sich von ihren adligen Vorfahren distanzierte (ich halte das übrigens nicht für erforderlich, seine Vorfahren kann man sich nicht aussuchen, also braucht man auch kein besonderes Verhältnis zu ihnen einzugehen), oder Sie machen sie irgendwie doch wieder für sie verantwortlich. Und das nenne ich eine moralische Sippenhaft, zumal dahinter nur Ihre leere Aussage steht, das Wahlrecht sei an sich ein Wert. Jutta Ditfurth hat gerade gezeigt, daß es vielmehr ein Mittel ist, eine Herrschaft zu legitimieren, die dann wieder eine Legislatur lang ermächtigt ist, zu machen, was SIE will.
»Warum hast Du nicht Deine eigene Partei gegründet? Oder willst Du, dass künftig die Ackermänner direkt regieren?«
Die Ackermänner müssen gar nicht direkt regieren, genau dafür ist das Parteiensystem erfunden worden, ihrer Herrschaft indirekt zu Dauer zu verhelfen. Der Mechanismus geht so: jede zwangsläufig sich einstellende Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den Wirkungen staatlich vermittelter Kapitalherrschaft auf ihr Leben wird verwandelt in die Frage: Merkel oder Steinmeier oder vielleicht doch Lafontaine? Sie verkennen genau die zentrale Leistung des Parteienwesens und der Wahlen: über die Auswahl von Visagen die Sache unveränderlich zu machen.
»Ich behaute, dass Wahlen etwas ändern können, seit ihre weltweite Zwangseinführung auf der Agenda des Ultra-Imperialisten steht.«
Dann erklären Sie doch bitte mal, warum die Ultraimperialisten weltweit Wahlen zwangsweise einführen wollen sollen, wenn Wahlen etwas ändern könnten? Sie unterschätzen, scheint mir, die strategische Intelligenz der Bourgeoisie.
»Das siehst Du allein schon daran, dass Du noch unbehelligt zur Wahlverweigerung aufrufen kannst.«
Aha. Jetzt kommt es raus. Wenn Ihnen ein Argument nicht paßt, erklären Sie es alsbald zum Gnadenakt, daß man es noch äußern darf, wissen also sehr gut, daß sowas eigentlich verboten gehöre. Vielen Dank für diese Aufklärung über freedom & democracy.
»Wer - wie ich - die Zeiten noch erlebt hat, in denen die “Vorsehung” dem Volk einen Führer geschenkt hatte, der es erretet, kann Deine Kampagne nicht unterstützen. Auch Deinen Aufruf nicht unwidersprochen lassen.«
Und was sagen Sie zu den per Wahl eingeführten Errungenschaften des Überwachungsstaates, Stichwort “Stasi 2.0″? Den letzten Plänen aus Schäubles Ministerium, durch die zusammenführung von Verfassungsschutz und BKA ein “Bundessicherheitshauptamt” zu schaffen? Was bitte hätte denn die Gestapo anders machen sollen als die Berlusconi-Polizei in Genua beim G8-Treffen? Zu den Kriegen, die lauter gewählte Führer in aller Welt führen? Sind die durch die Formalie legitimiert, wie die betreffenden Befehlshaber ins Amt gelangt sind?
»Und wie ich Dich kenne, wärst Du unter den Ersten, die das Wahlrecht zurückfordern, wenn es Ihnen morgen von der NPD oder einem neuen Pol Pot genommen würde. Mitsamt den beschissenen Parteien.«
Sie sollten das Spekulieren lassen und mit dem Argumentieren anfangen.
»Deiner Analyse der Weltlage kann ich weitgehend zustimmen, nicht aber Deinen Schlussfolgerungen. Es ist richtig, dass der Kapitalismus auch ohne Wirtschaftskriminelle eine tödliche Gefahr für Mensch und Natur ist. Aber was fange ich mit dieser Wahrheit an, wenn ich sie endlich kapiert habe? Schaffe ich ihn einfach ab?«
Es hat niemand behauptet, daß die Abschaffung des Kapitalismus einfach sei. Lesen Sie mal das Schlußkapitel von Brechts Flüchtlingsgesprächen: “Ich fordere Sie auf, sich zu erheben und mit mir anzustoßen auf den Sozialismus…Gleichzeitig mach ich Sie darauf aufmerksam, daß für dieses Ziel allerhand nötig sein wird. Nämlich die äußerste Tapferkeit, der tiefste Freiheitsdurst, die größte Selbstlosigkeit und der größte Egoismus.” (Brecht, Bertolt, Gesammelte Werke, Bd. 14, Frankfurt 1973, S. 1498f.)
»Wer hilft mir dabei, von dem ich nicht schon vorher befürchten müsste, dass er mir sein System aufzwingen möchte,«
Na, Herr See, sie aber auch nicht, s.o.
»dass er mir die freie Wahl nicht lässt, für einen nicht mehr antikommunistischen demokratischen Sozialismus zu votieren und zu kämpfen. Das kann man mit der “Linken” derzeit noch. Ja mir ist selbst der verlogenste sozialdemokratische “Sozialismus” noch lieber als jede Form von ungebrochener Diktatur.«
Den Beweis dafür, daß der Sozialdemokratismus eine gebrochene Diktatur des Kapitals sei, bleiben Sie freilich schuldig.
»Tut mir leid, dass Du das anders siehst. Ich fürchte, dass, wer zu weit nach links driftet, irgendwann rechts rauskommt.
Das liegt wohl daran, dass die Erde rund ist.«
Sie erwarten doch wohl nicht, daß ich diese aus dem Ruder gelaufene Metapher noch kommentiere. Nur soviel: es ist genau die Verwandlung von gesellschaftlichen in Naturverhältnisse, die reaktionäre Kritik kennzeichnet.
Naivling
29.09.2009 | 10:24
Liebe Frau Ditfurth,
ich teile Ihre Wahrnehmung und Einschätzung bezüglich Claudia Roth uneingeschränkt. Ich finde diese Frau im höchsten Maße unerträglich und ertrage es kaum mehr, sie im Fernsehen oder an anderer Stelle öffentlich auftreten zu sehen.
Frau Roth ist ein gutes Beispiel dafür, wie man in diesem Land talent- und qualifikationsfrei etwas werden kann. Insofern greift ihre eigene These von guter Ausbildung und fundierten Qualifikationen, die der einzige Schlüssel zu guten Jobs und gutem Einkommen sind nicht wirklich.
Ich frage mich oft, was das für Leute sind, die Claudia Roth gut finden. Dass die Fernsehredaktionen sie gerne zu Talkshows einladen ist leicht nachzuvollziehen. Die Frau ist schrill, üppig, meist etwas zu überkandidelt gekleidet und hat einen kaum zu kontrollierenden Hang zu Emotionen, was in gewisser Weise den Voyeurismus vieler Zuschauer bedient. Sie bedient sozusagen den Horreur agréable und wird damit zu einer Nummer, die man quotentechnisch gut gebrauchen kann.
Inhaltlich und intellektuell ist Frau Roth ein Tiefflieger ohne Linie, Substanz und Charisma, eine grüne Rampensau und ulkige Nudel, die gerne die großen Kulleraugen rollt und die Betroffene spielt. Traurig nur, dass eine Partie wie die Grünen mittlerweile so verkommen und korrumpiert ist, dass man sich sogar eine Claudia Roth in vorderster Linie leisten kann oder vielleicht auch muss.
Umso mehr bewundere ich Sie, Frau Ditfurth. Würde man Sie doch nur öfter anstelle von Frau Roth im Fernsehen sehen.
Mit sehr freundlichen und herzlichen Grüßen an eine Frau, die wirklich was drauf hat und die ich sehr schätze.
RR
Anonymous
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